Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Startklar für die Supermoto-Saison

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 25.04.2019.

Das Rennen kann beginnen: Der 16-Jährige Tim Ollesch aus Holle ist der jüngste Teilnehmer bei der Deutschen Meisterschaft – und sein Vater ist immer dabei

Von Thorsten Berner

Holle.

Zusammen mit seinem Vater macht Tim sein Motorrad fit für den ersten Saison-Einsatz am kommenden Wochenende: eine schwedische Husqvarna (450 ccm). In der heimischen Garage in Sottrum wird geschraubt und poliert. Bei der technischen Abnahme vor dem Wettbewerb muss alles tip-top sein“, erklärt Sven Ollesch. Der 46-Jährige ist genauso motorsport-verrückt wie sein Sohn. Er selbst fährt keine Rennen. Doch wenn Tim auf der Strecke ist, fährt Sven Ollesch quasi im Geiste mit. „Ich bin dann mindestens genauso nervös wie er.“

Supermoto? Was ist das überhaupt? „Eine Kombination aus Asphalt- und Cross-Rennen“, erklärt Tim Ollesch. „Und deshalb sehr anspruchsvoll.“ Er könnte noch bei den Youngsters starten. Aber die Nachwuchsklassen hat der Holler einfach übersprungen. Er begann gleich in der untersten Erwachsenen-Klasse (S4) – und erreichte als jüngster Teilnehmer gleich in seiner Premieren-Saison 2018 einen beachtlichen zwölften Gesamtplatz unter 35 Teilnehmern.

Rund 20 Minuten dauert ein Lauf. Auf gerader Strecke erreichen die 450er-Motorräder Spitzengeschwindigkeiten bis zu 170 Kilometer. Doch dazu kommt es selten, denn beim Supermoto geht es meist in enge Kurven, wo Technik und Geschicklichkeit gefragt sind. Und Mut! „Überholen ist auf den engen und kurvigen Strecken schwierig“, erklärt Tim. „Deshalb zögert man das Abbremsen vor einer Kurve so lange wie möglich heraus.“ Das erfordert großes Können. Und Nerven. „Man muss das Risiko abwägen“, ergänzt Sven Ollesch.

Denn wie alle Motorsportarten ist auch Supermoto nicht ganz ungefährlich. Unfälle und Stürze bleiben nicht aus. Auch Tim hat es schon mal erwischt. Allerdings nicht beim Supermoto, sondern beim Motocross. Und zwar vor fünf Jahren. Da war er elf Jahre alt. An einem Hügel verlor er die Kontrolle und wurde aus dem Sitz katapultiert. Tim landete hart und brach sich beide Arme.

Mancher Junge hätte nach einer solchen Geschichte vielleicht genug gehabt vom Motorsport. Tim nicht. Im Gegenteil: Er legte nach seiner Genesung erst richtig los. Oft trainiert er in Salzgitter oder im Harz. Außerdem macht er Kraft- und Ausdauertraining, damit er topfit ist für seine zweite Supermoto-Saison.

Er wird wieder der jüngste Starter im Feld sein. Und diesmal möchte er noch weiter vorn landen. „Ich will in die Top-Ten“, sagt Tim. Weil es nur vier S4-Rennen gibt, fährt er manchmal sogar schon in der nächsthöheren S3-Klasse als Gaststarter mit. So auch am kommenden Wochenende in Harsewinkel. Die Deutsche S4-Meisterschaft beginnt am 11. Mai in Großenhain.

So sind Vater und Sohn oft gemeinsam auf Achse. Es ist ein zeitaufwändiges und nicht ganz billiges Hobby. Sven Ollesch lächelt: „Tim hat Glück, dass er ein Einzelkind ist, aber ein Sponsor wäre natürlich nicht schlecht.“ Am Freitag geht es mit dem Wohnmobil nach Harsewinkel. Außerdem wird in diesem Jahr unter anderem in St. Wendel, Oschersleben und Cheb (Tschechien) gestartet.

„Das Schöne am Supermoto ist, dass man oft die gleichen Leute trifft“, sagt Sven Ollesch. „Es wird gefachsimpelt, geschraubt und gegrillt. So entstehen Bekanntschaften und Freundschaften.“ Nur auf der Strecke hört die Freundschaft auf. „Der Trainingslauf am Samstagvormittag ist eigentlich der wichtigste“, erzählt Tim Ollesch. Dann wird mit harten Bandagen um die besten Startplätze für die beiden Rennläufe gekämpft. „Es ist ein sehr großer Vorteil, in der ersten oder zweiten Reihe zu starten“, sagt Tim. „Denn wie gesagt: Im Rennen ist es schwer, zu überholen und Plätze gut zu machen.“

<q>Wenn Tim auf der Strecke ist, bin ich mindestens genauso nervös wie er.</q>

<cite>Sven Ollesch begleitet seinen Sohn </cite>