Hildesheimer Allgemeine Zeitung

A7-Umleitung wird zum Problem für Retter

Veröffentlicht von Christian Wolters am 27.05.2019.

Hildesheim/Kreis Hildesheim - Es ist aus Sicht der Retter ein Problem: Bei Verkehrschaos auf der Autobahn ist das Hildesheimer Helios-Klinikum mitunter über die Senator-Braun-Allee schwer zu erreichen. Die Behörden wissen darum. Aber Abhilfe ist nicht in Sicht.

Vergangener Samstag, kurz nach 15 Uhr. Die A 7 ist südlich von Hildesheim voll gesperrt, und wieder einmal rollt die Blechlawine durch die Stadt. So will es die Umleitungsstrecke in Richtung Süden, die U 52.

An der Abfahrt Hildesheim rechts raus, Berliner Kreisel, dritte Abfahrt in Richtung Klinikum und Bundesstraße 6. Längst steht Stoßstange an Stoßstange zwischen Kreisel und Krankenhaus, zwei Spuren sind verstopft, nichts geht mehr. Da rast von hinten ein Rettungswagen heran. Rettungsgasse? Keine Chance. Und so zieht der Fahrer an der Kreuzung Frankenstraße nach links herüber in den leidlich fließenden Gegenverkehr. Als Geisterfahrer mit Blaulicht und Martinshorn in Richtung Notaufnahme. Ein Vorfall, der sich an diesem Tag wiederholt.

Feuerwehr: Das ist gefährlich

Und der nichts Ungewöhnliches ist. „Auch wir sind regelmäßig auf der Gegenfahrbahn unterwegs, da müssen Sie nur mal um 17 Uhr versuchen, mit dem Löschzug die Kaiserstraße entlangzukommen“, sagt Marcus Illemann, Einsatzleiter bei der Berufsfeuerwehr. Anders als auf der Autobahn, wo eine Rettungsgasse stets gebildet werden könne, hätten die Fahrer im Stadtbereich mitunter tatsächlich keine Chance, Rettungswagen und Feuerwehrfahrzeuge durch Rangieren vorbeizulassen. Dann bleibe eben nur der Weg über die Gegenfahrbahn: „Gefährlich ist das natürlich, keine Frage.“ Doch wenn etwa ein Patient mit Verdacht auf Schlaganfall oder Herzinfarkt befördert werde, zähle jede Minute.

Das Risiko solcher Manöver müsse dann der jeweilige Fahrer abschätzen. „Baue ich im Gegenverkehr einen Unfall, trage ich die Schuld“, sagt Illemann. So sei es logisch, dass solche Fahrten nur mit äußerster Vorsicht unternommen werden. Und natürlich auf kürzestmöglicher Strecke.

Es gebe am Stadtrand Stau-Lagen, durch die Notfalleinsätze verzögert werden, sagt auch Dr. Karsten Goltermann, Ärztlicher Leiter Rettungsdienst in Hildesheim und Chefarzt des Helios-Notfallzenttrums. Doch der Stau auf der Umleitungsstrecke halte nicht nur Notfälle, sondern auch weniger dramatische Transporte und Fahrten vom und zum Krankenhaus auf. „Das ist ein Problem.“

Behörde: Hildesheim kritisch

Eines allerdings, für das es keine einfache Lösung geben dürfte. Das macht Sebastian Post, der stellvertretende Chef der Gandersheimer Außenstelle der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr deutlich. Seine Behörde legt die Umleitungen fest, plant die Strecken gemeinsam mit der Polizei und dem Landkreis.

„Der Knotenpunkt in Hildesheim ist kritisch“, räumt er ein. Aber Alternativen? Andere Bundesstraßen wie die B 3 oder die B 243 scheiden aus, weil sie zu weit entfernt seien. Und die Strecke von der Autobahn in Richtung Einum und dann über Achtum auf die B 6, die auch ohne blaues Schild schon stark genutzt wird, sei für hunderte Schwerlaster nicht praktikabel. In die Abwägung flössen natürlich auch die Beeinträchtigungen im Bereich des Krankenhauses ein, sagt Post: „Aber mangels alternativer Lösungen bleibt für die Strecke trotz der Nachteile nur: Der Weg über die Bundesstraße 6.“