Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Stromtrassen doch ohne Großbaustellen möglich?

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 15.05.2019.

Baddeckenstedt - Die Chancen, dass der Bau der beiden großen neuen Stromtrassen im Landkreis Hildesheim Ackerland und Landschaft weniger beschädigt als zunächst erwartet, steigen. Der Stromnetzbetreiber Tennet und die Hersteller-Firma Frank Föckersberger GmbH haben Kabelpflug-Tests auf dem Firmengelände in Franken abgeschlossen. Diese seien „so gut verlaufen, dass wir den nächsten Schritt gehen und den Kabelpflug unter Realbedingungen testen werden", kündigte Tennet-Pressesprecher Markus Lieberknecht am Dienstag auf HAZ-Nachfrage an. Diese Tests sollen in einigen Wochen im Raum Baddeckenstedt starten. Bei dieser Bautechnik werden die Kabel quasi in den Boden eingepflügt.

Dabei geht es zunächst um die Stromtrasse Wahle-Mecklar und eine 380-Kilovolt-Wechselstromleitung. Sie wird grundsätzlich als Freileitung gebaut, zwischen Söhlde und Sillium ist jedoch ein Erdkabel-Abschnitt geplant, der als Pilotprojekt dienen soll, um Erfahrungen für spätere große Leitungsprojekte in Deutschland zu sammeln.

Eingriff wäre geringer

Im Hintergrund steht zudem die geplante 500-Kilovolt-Gleichstromleitung Südlink, die ebenfalls durch den Raum Hildesheim verlaufen soll. Sie soll von der Nordseeküste bis nach Bayern komplett unterirdisch verlegt werden – weil es gegen eine Freileitung großen Widerstand aus der Bevölkerung gab. An den Erdkabel-Plänen gibt es wiederum harsche Kritik von Landwirten. Ihre Sorge: Von den mehrere Dutzend Meter breiten Baustellen-Trassen mit großen Baggern durch die Region werden sich die betroffenen Böden nie richtig erholen, nie wieder ihre volle Leistungsfähigkeit erreichen.

Das Kabelpflug-Verfahren kommt mit deutlich weniger Fläche aus, der Eingriff wäre entsprechend viel geringer. Allerdings wurde das Verfahren noch nie bei solchen Höchstspannungsleitungen angewandt, nur bei kleineren Kabeln. Doch Wahle-Mecklar könnte nicht nur zum Pilotprojekt für ein Wechselstrom-Erdkabel mit 380 Kilovolt werden, sondern auch ein Pilotprojekt dafür, ein Kabel dieser Größenordnung einzupflügen, statt es mit großen Baggern in breite und tiefe Gräben zu verlegen. „Wenn der Test bei Baddeckenstedt auch erfolgreich verläuft, ist das nächste Ziel der Einsatz des Kabelpflugs bei Wahle-Mecklar“, sagt Tennet-Sprecher Lieberknecht.

Ob der Pflug auch für Südlink zum Einsatz kommen kann, wenn er bei Wahle-Mecklar funktioniert, vermochte der Sprecher noch nicht zu sagen, schloss es aber nicht aus.