Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Student gegen Meteor: Berufung bringt Wende

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 16.05.2018.

Bockenem/Hannover - Ein grundsätzliches Signal könnte von einem Urteil ausgehen, das am MIttwoch im Landesarbeitsgericht in Hannover gefallen ist. Gestritten haben sich dort der Bockenemer Automobilzulieferer Toyoda Gosei Meteor und ein ehemaliger Werkstudent.

Sie hatten sich in der ersten Instanz gegenseitig vor dem Hildesheimer Arbeitsgericht auf Schadensersatz verklagt: Das Unternehmen den Studenten, weil der nach seinem Examen nicht wie vereinbart drei weitere Jahre bei Meteor gearbeitet hatte. Und der Student das Unternehmen, weil dieses ihm nach seiner Meinung keinen angemessenen Job angeboten hatte – mit geringerem Gehalt als nach dem Examen erhofft.

Das Urteil

Das Hildesheimer Gericht hatte beide Klagen abgewiesen und das Recht offenbar eher auf der Seite des Unternehmens gesehen – denn das sollte nur zwölf Prozent der Prozesskosten übernehmen, der Student aber 88 Prozent. Mit dem Urteil waren beide Seiten nicht zufrieden. Meteor und der Werkstudent gingen jeweils in Berufung, zogen vor das Landesarbeitsgericht – und das bewertete die Angelegenheit anders.

Die Klage von Meteor wurde erneut abgewiesen, der Student muss der Firma kein Geld zurückzahlen. Im Gegenzug soll er aber, das ist der Unterschied im neuen Urteil, 25 000 Euro von seinem ehemaligen Arbeitgeber erhalten. Gefordert hatte er das Doppelte, 50 000 Euro. Das gestrige Urteil der Berufungsinstanz war für ihn ein Teilerfolg.

Signalwirkung?

Ob der Rechtsstreit nun noch eine Runde weitergeht, ist zunächst offen. Der Ausgang des Verfahrens dürfte indes nicht nur für die Beteiligten interessant sein, sondern auch für andere Unternehmen oder Studenten in ähnlichen Konstellationen.

Firmen binden gern junge Talente als Werkstudenten an sich, oft angehende Ingenieure oder Betriebswirtschaftler. Um das besagte Binden geht es in dem aktuellen Rechtsstreit. Denn: Welche Rechte und Pflichten sich für beide Seiten aus dem Arbeitsverhältnis ergeben, ist generell umstritten. Es geht um eine Grundsatzfrage – und die Waagschale der Justitia neigte sich am Mittwoch in Richtung des Studenten.

Stichwort Werksstudent

Immer mehr junge Leute verbinden ein Studium mit einem festen Job in einem Unternehmen. Sie finanzieren damit ihre Hochschul-Ausbildung und können in der Praxis forschen. Ein Werkstudent arbeitet neben dem Studium für mehrere Stunden pro Woche im Unternehmen, bekommt ein eigenes Gehalt und Einblicke in sein künftiges Berufsleben. Voraussetzungen für einen Werkstudentenvertrag ist die Immatrikulation an einer Fachhochschule oder Hochschule. Während der Vorlesungszeit darf die wöchentliche Arbeitszeit 20 Stunden nicht überschreiten. In den Semesterferien bieten viele Firmen ihren Werkstudenten auch die Möglichkeit, Vollzeit zu arbeiten.