Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Tanzende Weihnachten im Frühling

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 16.04.2018.

Hildesheim - Steppende Schneemänner mitten im Frühling? Das Lymer Dance Centre macht es möglich. 230 Kinder, Jugendliche und Erwachsene befinden sich in der heißen Proben-Endphase, um am Sonntag im Theater für Niedersachsen „Claras Traum vom Nussknacker“ wahr werden zu lassen – E.T.A. Hoffmanns Weihnachtsgeschichte, aus der Tschaikowsky eines der berühmtesten Ballette aller Zeiten gemacht hat.

Sie liebt das Stück, sie liebt Tschaikowskys Musik, sagt Gillian Lymer-Schrader, die Leiterin der Tanzschule. Natürlich hätte sie den „Nussknacker“ lieber im Dezember gespielt. Doch das TfN ist am Jahresende immer komplett ausgebucht. „Als Privatschule müssen wir die Termine nehmen, die übrig sind“, erklärt die diplomierte Tänzerin und Tanzpädagogin. Irgendwann war sie es leid und beschloss, den „Nussknacker“ einfach trotzdem auf die Bühne zu bringen: „Wenn man im Theater sitzt, ist es ja auch egal, welche Jahreszeit gerade ist“, sagt sie ein bissschen trotzig. Und fügt hinzu: „Ich denke, im Theater ist alles erlaubt.“

Fetzige Rock’n’Roll-Party

Weil das so ist, erwartet das Publikum auch kein typischer Nussknacker. An klassischen Ballettsequenzen soll es nicht mangeln, gerade im Einstiegsbild, wenn sich das höfische Leben des 19. Jahrhunderts mit galanten Gesellschaftstänzen entfaltet. Doch das Lymer Dance Centre unterrichtet ebenso die modernen Stilformen wie Jazz, Contemporary, keltischer und amerikanischer Stepptanz. All das wird sich in den Aufführungen wiederfinden. Wenn die Hauptfigur Clara sich beispielsweise ins Land der Musik hineinträumt, gerät sie dort in eine fetzige Rock’n’Roll-Party.

Schon vor einem Jahr haben alle Klassen der Schule begonnen, die Schritte für den „Nussknacker“ zu trainieren. Von der jüngsten Tänzerin mit drei Jahren bis zur 70-Jährigen. Seit dem Herbst ist Gillian Lymer-Schrader damit beschäftigt, die Choreographien und schauspielerischen Elemente einzuüben – „sogar in den Schulferien“. Unterstützt wird sie von ihrer neuen Assistentin Jennifer Holzer, die nach einer Ausbildung zur Tanzpädagogin in die Schule zurückgekehrt ist, in der sie im Alter von sieben Jahren mit dem Tanzen begonnen hat.

Gillian Lymer-Schrader ist es wichtig, die Bewegungen wieder durch einen erzählerischen roten Faden zu verbinden: „Es hat einen ganz anderen Reiz, den Tanz in eine Geschichte zu integrieren, auch für den Zuschauer“, sagt die frühere Solotänzerin am Stadttheater, die für einige Jahre auch Assistentin des Ballettmeisters war. Besonders den Kindern, berichtet sie, bereite die szenische Arbeit viel Spaß.

Arbeit an den Details

Bei der Probe wird allerdings auch deutlich, dass die Verbindung von Bewegung und Schauspielerei keine geringe Herausforderung ist. Die Choreographien funktionieren schon wunderbar, verlangen aber so viel Konzentration, dass Mimik und Ausdruck für Momente in den Hintergrund geraten. „Und wir freuen uns über die Geschenke!“, ruft Gillian Lymer-Schrader in den Raum, als sich die Begeisterung der Kinder bei der „Bescherung“ in Grenzen hält.

„Am Ende wird es für die Zuschauer ganz natürlich aussehen, aber man muss jedes Detail einstudieren“, beschreibt die erfahrene Tanzlehrerin den Probeprozess. Was das Detail mit Schneemännern angeht: Es reicht, wenn die sich am Sonntag auf der Bühne tummeln. Winter hatten wir genug.

Die Premiere für „Claras Traum vom Nussknacker“ ist am Sonntag, 22. April, um 11 Uhr im TfN. Weitere Aufführungen sind am 29. April, 17 Uhr, und 10. Juni, 11 Uhr. Für alle Termine gibt es noch Karten im TicketShop der HAZ an der Rathausstraße, im TfN und telefonisch unter 1693 1693.