Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Tennis mit Engländern – ein Hauch von Wimbledon?

Veröffentlicht von Andreas Kreth am 11.09.2018.

Hildesheim - „Es geht hier nur ums Vergnügen, wir wollen unseren Spaß haben“, sagt Tim Bloomfield. Der Chairman, also Vorsitzender des Rudgwick Tennis Club ist mit 13 weiteren Engländern auf eigene Kosten zu einem nicht ganz ernst gemeinten Turnier „England gegen Deutschland“ zum Hildesheimer TC Rot-Weiß gekommen. Wehte also ein Hauch von Wimbledon an der Mendelssohnstraße?

„Von wegen Wimbledon“, winkt Timo Klöpper ab. Der 37-jährige Cheftrainer der Rot-Weißen erklärt: „Die Engländer spielen daheim auf vier Hartplätzen in der Prärie, ganzjährig draußen, bei Regen und Schnee. Sie haben auch kein Klubhaus.“ Tim Bloomfield nickt. „Stimmt“, sagt er, „wir genießen hier die Sandplätze und die tolle Anlage. Für uns eine klasse Abwechslung. Alle haben daheim beruflichen Stress und freuen sich, für ein Wochenende raus zu kommen.“ Mit 70 ist der Vorsitzende der älteste Besucher, der Jüngste ist 20. Nur Bloomfield ist schon Rentner, hat früher im nahen London als Entwickler von Gewerbegebäuden gearbeitet.

Kontakte seit vier Jahren

Beim „Ländervergleich“ werden nur Doppel gespielt. Marit Gäthke (14) und Emilie Otto (15) gehen als jüngstes Hildesheimer Duo ans Netz. Ihre Gegner sind doppelt oder dreifach so alt. „Deshalb haben wir gedacht, dass wir nicht einen Ball retournieren könnten“, bekennt Marit. Die Mädchen hauen sich rein, verlieren aber 0:6. „Hat trotzdem Spaß gemacht, und war letztlich doch knapp“, meint Emilie.

Der Kontakt auf die Insel war vor vier Jahren entstanden. Damals spielte Josh Pistorius für den HTC in der 4. Liga. Dessen Vater Warwick (49), ein 1,97-Meter-Hüne, ist Cheftrainer in Rudgwick. Zuerst kam er alleine, um den heute 21-jährigen Sohn zu besuchen. Bei den nächsten Flügen begleiteten ihn immer mehr Kollegen. Diesmal haben sie sich sogar extra Hemden mit Stickerei „Germany 2018“ anfertigen lassen. Die Gäste zahlen Flug und Hotel, die Rot-Weißen laden sie zum Essen auf die Klubhausterrasse ein.

„Tennis, Tennis, Tennis – und Spaß“

Obwohl die Engländer abends noch lange um die Häuser gezogen sind, stehen sie am Turniermorgen um 10 Uhr auf dem Platz. Sie haben abgemacht, so viele Matches wie möglich zu bestreiten. „Tennis, Tennis, Tennis – und Spaß“, wiederholt Vorsitzender Bloomfield. Am Ende des langen Tages soll möglichst jeder mal gegen jeden aus dem anderen Lager gespielt haben.

Jetzt gehen Martin Heimer (81) und Wolfgang Bade (76) auf den Court. Die beiden spielen noch bei den Herren 75 in der Regionalliga. Nun treffen sie auf Clint Smith (45) und Chris Kings (45). Nachdem Bade etliche Bälle von Smith immer cross zurückgespielt hat, schlägt er plötzlich mit der Rückhand Longline. Kings kriegt die Kugel genau auf den Körper und schlägt ins Aus.

In dem Moment legt nebenan Chairman Bloomfield den Schläger weg. „Ich habe mich an der Schulter verletzt. Wenn ich weiter spiele, würde es noch schlimmer.“ Minuten später sitzt er im Chair (Stuhl),mit Zigarette in der rechten und Bier in der linken Hand – es geht schließlich nur ums Vergnügen, um Spaß. Was hatte er doch vorhin über seine Deutschkenntnisse gesagt? Leider spreche er kaum Deutsch. Aber einen Satz könne er: „Acht Bier bitte.“

Gegenbesuch zur Wimbledon-Zeit?

Die Teams absolvieren insgesamt fünf Runden mit jeweils sechs Spielen. Letztlich steht es 21:9 für die Engländer. Den kleinen Pokal, den sie gestiftet haben, nehmen sie gleich wieder mit. „Wir werden definitiv wiederkommen“, sagt Bloomfield.

Oder die Rot-Weißen fliegen mal hin. Am besten zur Wimbledon-Zeit – für den richtigen Hauch.