Hildesheimer Allgemeine Zeitung

TfN kehrt zurück in Halle 39

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 02.01.2019.

Hildesheim - Das Theater für Niedersachsen kehrt in die Halle 39 zurück. Viele Zuschauer erinnern sich noch gut an die Spielzeit 96/97, als das Stadttheater wegen einer umfangreichen Sanierung in den ehemaligen Hubschrauberhangar an der Schinkelstraße umzog. Nun steht die nächste große Baumaßnahme im Theater an, von Juni bis November haben dort die Handwerker das Wort. Damit die Spielpause nicht zu lang wird, will das TfN mehrere Ausweichorte nutzen. Als erster Ersatz steht die Halle 39 fest.

Das Publikum wird dort den Klassiker „Im weißen Rössl“ erleben. In einer spartenübergreifenden Produktion von Opernensemble und MusicalCompany können sich die Zuschauer auf Ohrwürmer wie „Was kann der Sigismund dafür, dass er so schön ist“ oder „Die ganze Welt ist himmelblau“ freuen. An einigen Abenden verspricht das TfN im Anschluss an die Vorstellung außerdem besondere Events im Weißen Rössl. „Wir wollen das Ganze in eine Art österreichischen Biergarten verwandeln“, kündigt TfN-Intendant Jörg Gade an.

So wird das Publikum auch nicht in klassischen Theaterreihen hintereinander sitzen. Näheres könne er aber noch nicht verraten, die Pläne für das Bühnenbild seien noch nicht abgeschlossen, so Gade. „Ich kann mir vorstellen, dass es unterschiedliche Spielflächen geben wird“, sinniert der TfN-Chef, doch auch hier könne er noch nichts Konkretes sagen: „Das muss erst mit dem Regisseur abgestimmt werden.“ Diesen Part übernimmt Erik Petersen, ein Opern- und Operettenexperte mit internationalen Erfahrungen. „Der ist der Richtige dafür“, ist Gade überzeugt.

Fest steht schon, dass diverse Hildesheimer Gruppen bei der Inszenierung mitwirken sollen. Gade denkt an eine Kapelle, die musizierend durch die Haller marschiert, oder Akrobaten, die mitten im Publikum ihr Können zeigen: „Wir verwandeln die Halle 39 in den Wolfgangsee.“

Vor gut 22 Jahren, als das Stadttheater zum ersten Mal in die Halle umzog, war das Ganze ein gewagtes Unterfangen. Schließlich handelte es sich noch nicht um ein voll ausgebautes Veranstaltungszentrum, sondern einen Hangar im Rohzustand. Der damalige Intendant Martin Kreutzberg ließ die Bühne in die Mitte pflanzen, die Zuschauer saßen in variablen Anordnungen um sie herum, auch die Galerie wurde mitunter bespielt.

Jörg Gade, der heutige Intendant, hat das damalige Exil knapp verpasst. Bis 1995, ein Jahr vor dem Umzug, war er Chefdramaturg am Stadttheater, danach verließ er Hildesheim für mehrere Jahre. Doch im Orchester und im Chor, ebenso in den Werkstätten und in der Verwaltung des TfN, gibt es viele Mitarbeiter, die damals schon dabei waren.

Einer von ihnen ist Martin Weldner, der stellvertretende Konzertmeister der TfN-Philharmonie. „Es war schon ein kleines Abenteuer“, erzählt der 57-Jährige. „Garderobenmäßig war alles ein bisschen improvisiert. Aber wir hatten Raum ohne Ende. Ich erinnere an den ,Fliegenden Holländer’, wo wir ein ganzes Schiff als Bühne aufgebaut haben. Das Orchester saß hinter dem Schiff und war gar nicht zu sehen“ Die Akustik sei für einen Hangar überraschend gut gewesen: „Das konnte sich durchaus hören lassen. Insgesamt war es eine ganz schöne Erfahrung.“

Mit der Event Werft GmbH und ihrem Geschäftsführer Matthias Mehler habe das TfN bereits beim Theatergarten erfolgreich zusammengearbeitet, erklärt Gade die Entscheidung, an die Schinkelstraße zurückzukehren. Matthias Mehler freut sich auf die neue Kooperation: „Für uns ist die Entscheidung des TfN, im Herbst in der Halle 39 zu gastieren, ganz großes Theater.“