Hildesheimer Allgemeine Zeitung

TfN: Vier der beliebtesten Darsteller müssen gehen

Veröffentlicht von Martina Prante am 11.09.2019.

Hildesheim - Vier Schauspieler und Schauspielerinnen, die das Bühnengeschehen im Theater für Niedersachsen, zum Teil schon in der Landesbühne Hannover, über viele Jahre mitgeprägt haben, werden ab der nächsten Spielzeit nicht mehr zum Ensemble gehören. Der zukünftige Intendant wird ihre Verträge nicht verlängern.

Bis zum 31. Oktober muss Oliver Graf sogenannte Nicht-Verlängerungen aussprechen. Damit wird deutlich, wer in der kommenden Spielzeit, ab September 2020, in seiner Ägide nicht mehr im TfN-Ensemble auf der Bühne stehen wird.

Unkündbarkeit in Sicht

Michaela Allendorf als Frau John in „Hexenjagd“. Foto:

Nicht verlängert von Oliver Graf sind – wie öffentlich kommuniziert und von den Darstellern bestätigt – unter anderem Michaela Allendorf, Dennis Habermehl, Moritz Nikolaus Koch und Katharina Wilberg. Drei der Darsteller sind Eltern.

Oliver Graf selber wollte die Namen nicht bestätigen und sich zu Gründen der Nichtverlängerung am Mittwoch nicht äußern. Auch die Schauspieler kennen die Gründe nicht, wie Moritz Nikolaus Koch auf Nachfrage erklärt. Allerdings ist ein Intendant bei einem Neustart auch nicht zur Nennung von Gründen verpflichtet.

Künstlerische Ausrichtung

Moritz Nikolaus Koch und Katharina Wilberg sind ein Paar und haben gemeinsam Kinder. In dieser Szene spielen sie in „Gift. Eine Ehegeschichte“

Ein möglicher Grund: Künstlerisches Personal, das mehr als 15 Jahre für ein und dieselbe Theaterinstitution arbeitet, wird im 16. Jahr unkündbar. Bei allen vier Beteiligten wäre diese Unkündbarkeit in der ersten Amtszeit von Oliver Graf – er ist auf fünf Jahre gewählt – eingetreten.

„Nichtverlängerungen „sind im Wechsel der künstlerischen Ausrichtung begründet“, nimmt Graf grundsätzlich Stellung. Und das schlage sich „zwangsläufig auch in wechselndem Personal nieder“. Tatsächlich sei es ihm ein großes Anliegen gewesen, „kein tabula rasa zu vollziehen, wie dies häufig bei Intendanzwechseln üblich ist. Es war mir immer ein Anliegen, die Nichtverlängerungen auf ein Minimum zu beschränken“.

75 Prozent der Künstler bleiben

Die Tatsache der Nichtverlängerungen sei naturgemäß unschön – und ihm nicht leicht gefallen. Allerdings betont Graf, „dass ich auch sehr viele Kolleg/innen übernommen, in die Unkündbarkeit kommen lasse als auch befördert habe“. So werden nach seinen Angaben 75 Prozent des künstlerischen Personals auch nach dem Intendantenwechsel weiterhin am TfN beschäftigt sein, betont Graf: „Die übrigen Stellen werden nachbesetzt.“ Auf Namen könne er – „vor allem auch aus Respekt vor den einzelnen Kolleg/innen“ – nicht eingehen.