Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Tickets für ganz Niedersachsen in einer App

Veröffentlicht von dpa am 11.02.2019.

Hannover - Um den Fahrkartenverkauf in etlichen Bahnstationen in Niedersachsen gibt es derzeit Diskussionen. Die Deutsche Bahn hat ihren Schalter in Uelzen vor dem Jahreswechsel geschlossen, zuständig ist neuerdings die Metronom-Bahn, die den Schalterverkauf einem Servicedienstleister übertragen hat. Der Start verlief holprig. Ähnliche Veränderungen stehen auch in Lüneburg, Rotenburg und Celle bevor. Politiker und Pendler reagierten empört. Und beim Kauf von Tickets an Automaten stehen Reisende regelmäßig vor verschiedenen Geräten diverser Bahnunternehmen und veränderten Konditionen, denn nicht alle Automaten geben alle Tickets aus.

In allen Fällen erhalten Bahnreisende aber die gleichen Karten zum selben Preis, versichert die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Der Grund für Umstellungen beim Schalterverkauf und mitunter bei den Automaten sei dem Wettbewerb im Bahnverkehr geschuldet, erläutert LNVG-Sprecher Rainer Peters.

Fernverkehrsfahrkarten auch an Metronom-Automaten

Mit der Ausschreibung der regionalen Bahnlinien erhielten die Bahnunternehmen, die den Zuschlag erhalten, auch die Pflicht zum Organisieren des Fahrkartenverkaufs. Übernimmt eine Regionalbahn den Verkauf der Nahverkehrstickets, lohnt für die DB abseits der Metropolen der Betrieb eines Schalters alleine für Fernfahrscheine oft nicht.

In Uelzen etwa verkauft nun alleine Metronom Karten am Schalter und nutzt das Franchisekonzept «DB Service Store». Dabei wurde ein Dienstleister mit dem Verkauf der Fahrkarten für den Regional- und den Fernverkehr beauftragt. Sowohl bei der Technik als auch bei der Routine des Schalterpersonals aber hakte es zunächst. Metronom gelobte Besserung und organisierte Coachings.

Was die Automaten angeht, soll es das Nebeneinander von roten, gelben, blauen und anderen Automaten auf etlichen der 380 niedersächsischen Bahnstationen aber auch in Zukunft geben. Ein vom Aussehen und Bedienung einheitlicher Fahrkartenautomat sei nicht geplant, erklärten LNVG und die Niedersachsentarif-Gesellschaft.

Dort, wo nur Züge eines Unternehmens halten, darf auch nur dieses Unternehmen Tickets verkaufen. An anderen Stationen stehen Pendlern auch in Zukunft unterschiedliche Automaten zur Verfügung. Dass dann am DB-Automaten unter Umständen nur noch Fernverkehrstickets und keine Fahrkarten für den Nahverkehr erhältlich sind, kann je nach Absprache und Lizenzen zwischen den Bahnen durchaus passieren.

Zumindest an allen rund 100 Metronom-Automaten aber soll es ab Ende diesen Jahres auch Fernverkehrsfahrkarten geben, kündigte das Unternehmen in Uelzen an. Üppigen Lizenzgebühren stehe zwar nur eine schmale Provision gegenüber, es gehe aber darum, unabhängig von solchen Fragen den Service für alle Bahnkunden zu verbessern, sagte Metronom-Sprecher Björn Pamperin.

„FahrPlaner“-App

Simpler haben es da demnächst Kunden, die ihr Ticket online kaufen. Für Niedersachsen und Bremen geht nämlich bald eine neue App an den Start, über die Fahrkarten für die meisten regionalen Zug- und Busverbindungen gekauft werden können. Der neue Online-Vertrieb baut auf der „FahrPlaner“-App des landesweiten Niedersachsentarifs auf, die derzeit bereits Fahrplanauskünfte gibt, teilte die Niedersachsentarif-Gesellschaft mit. Die Fahrkarte für Reisen mit regionalen Verkehrsmitteln können Pendler sich auf ihr Handy herunterladen oder nach einer Buchung am Computer ausdrucken.

Die neue Ticket-App ist ein weiterer Schritt im Bemühen, Reisen mit Bus und Bahn in Niedersachsen und Bremen möglichst unkompliziert und kundenfreundlich zu machen. Seit Ende vergangenen Jahres bereits gilt für Fahrten mit Regionalzügen und dem öffentlichen Nahverkehr in den beiden Ländern und Hamburg eine gemeinsame Fahrkarte. In der Bahnfahrkarte des Niedersachsentarifs ist seitdem in den meisten Regionen am Start- und Zielort der Reise ohne Mehrkosten die Nutzung von Bus, Straßenbahn und U-Bahn automatisch mitenthalten. Die Regelung gilt auch für Fahrten nach Hamburg.