Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Tierschützerin: Nicht jeder kleine Igel braucht Hilfe

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 11.09.2019.

Derneburg - Jetzt tippeln sie wieder durch die Gärten: Igelfamilien mit ihrem Nachwuchs. Mancher Tierfreund sorgt sich jedoch, dass die Jungtiere den bevorstehenden Winter nicht überleben könnten. Das weiß auch Ina Simon. Die engagierte Tierschützerin betreibt im Landkreis eine ehrenamtliche Wildvogel- und Igelauffangstation.

Und sie gibt erst einmal Entwarnung. Die Wurfzeit eines Igels, dessen Fabelname Arbnora ist, liege zwischen August und September, erzählt sie. „Nach vier bis sechs Wochen machen die Jungtiere ihre ersten Ausflüge, bleiben aber weiterhin in der Nähe der Mutter“, so Simon. Dann sei alles in Ordnung. „Findet man einen Igel im Garten, sollte man vorerst sein Verhalten beobachten, bevor man eingreift“, rät sie.

50 bis 70 Igel versorgt

Laut Naturschutzbund (NABU) galt das Einsammeln kleiner Igel im Herbst und die Überwinterung im Haus lange Zeit als probates Mittel, dem Wildtier Überlebenshilfe zu geben. Die gut gemeinten Aktionen hätten sich jedoch als wenig hilfreich erwiesen und würden nicht mehr praktiziert. Stattdessen stünde heute ein ganzes Maßnahmen-Paket im Vordergrund, das Igeln dort zum Überwintern hilft, wo sie zuhause sind: draußen in der Natur.

Ist ein junger Igel allerdings krank oder zu früh von seiner Mutter verlassen, könnte ihm der Winter tatsächlich zum Verhängnis werden. Simon hat ein paar Tipps parat, anhand derer sich erkennen lässt, ob ein Jungigel in Not ist. Gebe der beispielsweise ein Geräusch von sich, das einem Zwitschern ähnelt, rufe er wahrscheinlich seine Mutter. Wenn er damit nicht aufhöre, könne es sein, dass sie nicht zum Nest zurückgekommen ist. Sollten die Kleinen auch nach Wartezeit alleine unterwegs oder in einem Nest sein, empfiehlt Simon, eine Auffangstation zu kontaktieren. Sie hat im vergangenen Jahr 50 bis 70 Igel versorgt, Zweidrittel davon waren Jungtiere.

Tiere nicht einfach einsammeln

Woran erkennt man einen Jungigel? „Schon nach vier Wochen sieht der Kleine aus wie ein ausgewachsener Igel – nur viel kleiner“, erklärt Simon. Einfach einsammeln, darf man den ohnehin nicht; auch nicht im eigenen Garten. Laut Bundesnaturschutzgesetz ist das nur bei verletzten oder kranken Igeln erlaubt, warnt der NABU. Sichtbare Symptome für eine Krankheit könne die Tagaktivität, des eigentlich tagsüber schlafenden Tieres sein, sagt Simon. Auch grüne Fliegen in der Nähe eines Igels könnten ein Indiz sein. Die Fliegen legen mitunter Eier in die Wunden verletzter Tiere, die daraus schlüpfenden Maden fressen sich regelrecht in den Igel hinein. Simon rät, den Igel dann sofort rein zu holen und einen Experten aufzusuchen. Für das Einfangen und transportieren eignen sich Handschuhe und ein hoher Karton.

Wenn der junge Igel den Herbst gut übersteht, verschläft er von kurzen Unterbrechungen abgesehen die kalte Jahreszeit bis März oder April. Ein Idealmaß, das er bis dahin erreicht haben sollte, gebe es nicht, sagt die Betreiberin der Auffangstation. Ihr sind die kleinen Wildtiere sichtlich ans Herz gewachsen. Für ihr Projekt bekommt sie keine staatliche Finanzierung, ist somit auf Spenden angewiesen.