Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Tipps und Tricks rund um das perfekte Osterei

Veröffentlicht von Marita Zimmerhof am 20.04.2019.

Hildesheim - Um es gleich vorwegzunehmen: Die Farbe der Eierschalen ist für den Geschmack der Frühstückseier völlig egal, einzig das Futter der Hennen macht den Unterschied aus. Und dennoch lieben Verbraucher die braunen: Von zehn verkauften Eiern seien acht braun, sagt Bernd Kaune, dessen Familie seit 1956 auf dem Wochenmarkt vor dem Rathaus Eier und Kartoffeln anbietet. Einmal im Jahr aber ticken die Uhren anders: In den Tagen vor Ostern wünschen die Kunden plötzlich bevorzugt weiße Hühnereier, weil beim Färben die bunte Eierfarbe auf hellem Grund besonders gut zur Geltung kommt. Halbe, halbe, heißt es dann bei den Eierhändlern.

Doch über die Farbe der Eierschalen lassen die Hühner nicht mit sich verhandeln: Sie hängt von der jeweiligen Rasse ab. So gibt es nicht nur schneeweiße, elfenbeinfarbene und schokoladenbraune Eier, Hühner der Rasse Araucana etwa legen grüne, Ameraucana blaue und Plymouth-Rock-Hühner dunkelgelbe Eier. Claudia Köhler, die seit 2005 in Algermissen ihren Hofladen betreibt, setzt konsequent auf braune Eier, die sie von einem Landwirt im Schaumburger Land bezieht. Doch wichtiger als Regionalität sei ihren Kunden die Haltung der Hennen, sagt die studierte Landwirtin. Eier von Käfighühnern, euphemistisch Kleingruppe genannt, kommen ihr nicht auf den Hof. Sie bietet ausschließlich Eier aus Boden- oder aus Freilandhaltung an. Und auf Vorbestellung und auch nur zu Ostern gibt es zusätzlich ein paar Stiegen weiße Eier extra. „Die Kinder freuen sich jetzt schon, dass sie am Sonntag im Garten die bunten Eier suchen dürfen“, sagt eine Kundin und zieht mit einem großen Karton blütenweißer Eier vondannen.

Die Hühner kommen nicht hinterher

„Wenn man den Kunden das mit der Eierfarbe erklärt, haben sie auch Verständnis. Zudem sieht auf braunen Eiern die Farbe viel eleganter aus, nicht so künstlich“, sagt Nikias Graen, der in seinen Hühnermobilen, fahrbaren Hühnerställen, seit 2016 ausschließlich Bio-Eier mit brauner Schale produziert. Der Landwirt aus Heinde setzt auf die robuste altdeutsche Hühnerrasse Isa Varn. Die Tiere seien für die Haltung in der Natur wie gemacht, brauchten deshalb viel weniger Medikamente. Da seine Bestände zudem engmaschig alle paar Wochen kontrolliert würden, müsse auch niemand Angst vor Salmonellen haben, wenn er jetzt rohe Eier mit dem Mund auspuste.

Anders als in Supermärkten wird bei ihm vor den (F)eiertagen die Ware schon mal knapp. „Die Nachfrage der Freilandeier aus dem Hühnermobil ist derzeit so groß, dass die Hühner nicht hinterherkommen mit der Produktion“, ist derzeit auf Graens Homepage zu lesen. „Rein rechnerisch legt ein Huhn pro Tag 0,78 Eier“, sagt Graen. Auch vor Ostern lässt sich die Produktionsmenge nicht steigern. „Aber meine Stammkunden haben sich längst eingedeckt.“

Preise bleiben stabil

Große Hühnerfarmen, die sowohl Handel als auch Industrie beliefern, können die Nachfrage einfacher steuern. „Die Eierlieferanten verfügen über langjährige Erfahrung in ihrem Stallmanagement“, sagt Raimund Esser, Sprecher der Supermarktkette Rewe, die zu Ostern von einer Umsatzsteigerung bei Hühnereiern von 40 Prozent spricht. Bio-Eier seien in diesen Tagen besonders gefragt.

Doch die Farbe der Eierschale ist nicht die einzige Herausforderung: Während im übrigen Jahr vor allem die größeren L- oder XL-Eier gefragt seien, kauften die Kunden Ostern gern kleinere S-Eier, weil deren Schale nicht so leicht zerbreche, sagt Amdrea Kaune. Graen hat zudem beobachtet, dass Männer eher große, Frauen eher kleinere Eier bevorzugen. Der Osterhase hat es also gar nicht so leicht, allen Kundenwünschen gerecht zu werden. Eines aber dürfte ihn dann doch mächtig wurmen: Der Weihnachtsmann läuft ihm in Sachen Eierumsatz regelmäßig den Rang ab. Weil im Advent jede Menge gebacken und gebrutzelt wird, werden zu Weihnachten tatsächlich mehr Eier verkauft als zu Ostern, versichern die Händler.

Die beste Nachricht für Eierfans aber heißt: Die Preise bleiben stabil, werden auch zu Ostern nicht angehoben. Weder beim Biobauern, noch im Hofladen, auf dem Wochen- oder Supermarkt. Seine Bio-Eier, versichert Graen, seien nicht einmal teurer als vergleichbare Ware im Supermarkt. Wer die Preise langfristig vergleicht, wird sogar feststellen, dass das ebenso vielseitige wie köstliche Lebensmittel im Laufe der Jahre immer günstiger geworden ist.

Was man über Eier wissen sollte:

Seine Herkunft verrät jedes Hühnerei mit seinem aufgestempelten Code. - Die erste Ziffer kennzeichnet die Haltung: 0 ist Bio, 1 Freiland, 2 Bodenhaltung, 3 Käfighaltung (Kleingruppe). Die beiden Buchstaben nennen das Erzeugerland; DE steht für Deutschland. Die dann folgenden Ziffern stehen für den Legebetrieb. Wer mag, findet im Internet die Adresse des Stalls. Die Eiergrößen sind in Gewichtsklassen unterteilt: S-Eier (klein) wiegen unter 53 Gramm, M (mittel) 53 bis unter 63 Gramm, L (groß) 63 bis unter 73 Gramm, XL (sehr groß) 73 Gramm und mehr.

Ein Ei hält sich kühl und trocken gelagert mindestens 27 Tage, erst nach 20 Tagen muss es bei fünf bis acht Grad in den Kühlschrank. - Dort hält es sich aber noch zwei bis vier Wochen über das Mindesthaltbarkeitsdatum hinaus. Die Frische lässt sich testen: Das rohe Ei in ein Glas Wasser legen. Sinkt es auf den Grund, ist es frisch, schwebt es, sollte es nur noch durchgegart gegessen werden, schwimmt es oben, ist es verdorben. Sein volles Aroma entfaltet ein Ei erst nach vier Tagen. Ganz frische Eier lassen sich schlecht pellen, weil zwischen Schale und Eiermembran noch keine Luft ist. Da hilft auch Abschrecken nichts.

Zum Färben der Eier kann man zu Fertigfarben greifen. Man kann Farben aber auch selbst herstellen, indem man aus färbenden Lebensmitteln einen Sud kocht und das Ei dann darin gart. - Der Sud muss, je nach Farbintensität, etwa 30 Minuten köcheln. Kurkumawurzel färbt goldgelb, Zwiebelschale goldbraun, Rote Bete rot, Karotten orangegelb, Spinat grün, Kaffeepulver braun. Die Eier im Sud zehn Minuten kochen, nach dem Abkühlen mit Speiseöl einreiben, das gibt einen schönen Glanz. Ob ein Ei roh oder gekocht ist, lässt sich durch Drehen auf glatter Unterlage testen: Roh schlingert es und dreht sich langsamer.