Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Trockene Böden lassen Bauern bangen

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 19.04.2019.

Kreis Hildesheim - Eigentlich sehen viele Felder in der Region derzeit ganz gut aus. Aus der Ferne wirkt es, als seien sie von einem grünen Flaum überzogen. Was die Bauern ausgesät haben, wächst und gedeiht in Reih und Glied. Dennoch haben viele Landwirte Sorgenfalten auf der Stirn: „Noch so ein Trockenjahr wie 2018 können wir kaum verkraften“, sagt der Landvolk-Vorsitzende Konrad Westphale aus Ottbergen.

Oberflächlich betrachtet ist alles gut auf dem Acker. Doch es ist ein bisschen wie bei einem Eisberg. Das eigentliche Problem ist das, was man nicht sieht. Und das ist der trockene Boden in dem Bereich, in dem die Wurzeln der meisten Feldfrüchte im Sommer das Wasser fürs Wachstum herbekommen sollen. „ich freue mich ja auch über schöne Ostern – aber nach den Feiertagen brauchen wir endlich mal zwei, drei Tage ergiebigen Landregen“, sagt Westphale.

Darauf hatte der Ottberger Mitte März auch schon vergeblich gehofft. Danach gab es zwar ein paar Schauer, aber kaum substanzielle Niederschläge. Die aber wären nötig gewesen, um den durch die Trockenheit im Vorjahr entstandnen Wassermangel auszugleichen.

Normaler Regen ist zu wenig

Westphale, der auch eine Wetterstation betreibt und den Deutschen Wetterdienst regelmäßig mit Niederschlags-Daten beliefert, erklärt das Langzeit-Problem: „Im vergangenen Jahr haben wir noch davon profitiert, dass 2017 sehr nass war und der Boden noch viel Wasser gespeichert hatte.“ Diese Reserven seien dann allerdings im Verlauf des vergangenen Jahres weitgehend aufgezehrt worden.

In den ersten drei Monaten dieses Jahres wiederum gab es zwar normale Regenmengen. Doch das reichte nicht aus, um wieder genug Wasser im Boden einzulagern. „Ab 30 oder 40 Zentimeter Tiefe wird’s trocken“, sagt Westphale. „Das sieht man derzeit nur nicht so, weil die oberen Schichten ja Feuchtigkeit bekommen haben, auch durch den Tau.

Oberfläche trocknet schnell ab

Doch gerade zurzeit trocken die Oberfläche schnell wieder ab – durch steten Wind und durch Tagestemperaturen um die 20 Grad. „Wir haben im vergangenen Jahr aufgrund unserer guten, das Wasser lange haltenden Böden ja nicht so große Probleme gehabt wie die Kollegen in anderen Regionen, das muss man auch festhalten“, betont der neue Landvolk-Vorsitzende, der in der Regel nicht als Schwarzmaler auffällt. „Aber noch so ein Jahr? Das würde massive Verluste mit sich bringen.“ Selbst die tief wurzelnde Zuckerrübe könne da Probleme bekommen.

Wie berichtet fürchten viele Landwirte in Niedersachsen Einschränkungen bei der Beregnung ihrer Felder – weil zum Schutz des Grundwassers weniger als sonst abgepumpt werden darf. Dieses Problem stellt sich im Landkreis Hildesheim kaum. Dort beregnen lediglich einige Kartoffelbauern in der Börde bei Bedarf ihre Felder mit Brunnenwasser. Sie ließen die Reserven im Vorjahr allerdings unangetastet – weil die Kartoffeln just in jenem Trockenjahr auf Äckern angebaut wurden, die zu weit von den Brunnen entfernt lagen.