Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Trotz tiefer Einschnitte hält Finanzkrise an

Veröffentlicht von Thomas Wedig am 06.12.2017.

Hohenhameln - Die Hohenhamelner Kommunalpolitiker sind im Frühjahr schon ans Eingemachte gegangen, um die Talfahrt der Finanzen zu stoppen: Sie erhöhten die Gebühren für die Nutzung von Krippen, Sporthallen und Dorfgemeinschaftshäusern, schafften den Gemeindebus und das Mitteilungsblatt Wochenspiegel ab. Doch gereicht haben die tiefen Einschnitte noch längst nicht – denn im Haushaltsentwurf für das Jahr 2018 klafft ein Riesenloch: Die Gemeinde gibt rund 2,8 Millionen Euro mehr aus, als sie einnimmt.

Kurzfristig werden die Hohenhamelner von diesem neuen Defizit nicht viel spüren. Doch wenn sich die Lage in den kommenden Jahren nicht grundlegend ändert, können noch weitere schmerzhafte Veränderungen auf die Einwohner zukommen. „Dann müssen wir vielleicht ganz neu über das Hallenbad oder die Dorfgemeinschaftshäuser nachdenken“, sagt Bürgermeister Lutz Erwig auf die Frage nach der aktuellen Lage, betont aber: Zurzeit sei es noch politischer Konsens im Rat, nichts zu schließen.

Mit der Gewerbesteuer fing es an

Doch wie soll Hohenhameln es schaffen, die Finanzen wieder ins Lot zu bringen? Nur aus eigener Kraft werde das nicht gelingen, fürchtet Erwig. Ins Rutschen geriet der Etat, als vor drei Jahren plötzlich Gewerbesteuereinnahmen in Millionen-Höhe wegbrachen, vor allem vom Großzahler Nordzucker. Das Geld fließt zwar wieder, doch die Auswirkungen auf den Haushalt hallen nach. Und den beeinflussen noch manche andere Faktoren, die eine Gemeinde nur begrenzt beeinflussen kann. So steigen die Ausgaben für die Kinderbetreuung stetig. Mittlerweile ist der Anteil, den die Gemeinde nach Abzug von Landeszuschüssen oder Elternbeiträgen selbst aufbringen muss, auf 1,6 Millionen im Jahr 2018 geklettert. „Das sind 100 000 Euro pro Gruppe“, rechnet der Bürgermeister vor. Ein Hauptgrund für die Steigerung sei der wachsende Wunsch nach längeren Betreuungszeiten.

Missverhältnis

Wegen der explodierenden Kita-Kosten beschrieb kürzlich auch sein Amtskollege Wolfgang Moegerle aus der Nachbargemeinde Algermissen die finanziellen Aussichten der Kommune düster. Algermissen gehört zum Kreis Hildesheim, Hohenhameln zum Kreis Peine – und dort ist laut Erwig das Missverhältnis zwischen der Umlage, die der Kreis von den Kommunen kassiert, und den Zuschüssen, die er für die Kinderbetreuung zurückgibt, noch deutlich extremer. Wie im Kreis Hildesheim sollen auch die Finanzbeziehungen zwischen dem Kreis Peine und seinen Kommunen auf den Prüfstand kommen – wobei es gilt, die Entwicklung auf Landes- und Bundesebene abzuwarten.

Neben den Kita-Kosten steigen generell die Ausgaben für Personal stetig – allein durch die Tariferhöhungen, auch wenn keine Mitarbeiter neu eingestellt werden. „Als ich im Rathaus anfing, hatten wir genau so viele Stellen wie heute“, erläutert Erwig, „aber seitdem sind ständig neue Aufgaben dazugekommen.“

Der Gemeinderat spricht am kommenden Donnerstag, 14. Dezember, um 18 Uhr im Rathaus unter anderem über den Haushalt.