Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Über 600 Schüler bilden Kette um das Rathaus

Veröffentlicht von Jo-Hannes Rische am 24.05.2019.

Hildesheim - Zum fünften Mal in diesem Jahr sind Klima-Demonstranten am Freitagmorgen durch die Hildesheimer Innenstadt marschiert und haben sich lautstark für eine bessere Klimapolitik eingesetzt. Nach Schätzungen der Polizei waren es bei der abschließenden Kundgebung am Marktplatz um die 600 Teilnehmer, die Organisatoren geben sogar 800 an. Am Ende bildeten die Schüler eine große Menschenkette rund um das Rathaus, während sie weiter Sprechchöre gegen Kohlekraft und Umweltverschmutzung anstimmten.

Der frühe Vogel ...

Fanden die vorherigen Demonstrationen am späten Vormittag statt, wurde es dieses Mal früh: Gegen 8.15 Uhr setzte sich der Zug in Bewegung, ausgestattet mit riesigen Bannern und bunten Plakaten. Eine Trommler-Gruppe und ein Anhänger mit Musikanlage begleiteten die Demonstration.

Während des Marsches gab es das gewohnt beeindruckende Bild: Begleitet von Polizeiwagen wälzten die Schüler durch die Fußgängerzone, über Straßen und vorbei an wartenden Autofahrern. „Leute, lasst das Auto stehen – eure Beine sind zum Gehen“ lautet passenderweise einer der Sprechchöre

Spontane Idee

Eine Menschenkette um das Rathaus.

Zum Ende hin gab es aber etwas neues, eine spontane Idee, wie Mit-Organisatorin Carolin Graw sagt: „Wir haben es erst gestern angemeldet, die Idee gab es aber schon länger.“ Als der Zug an der Lilie ankam, teilte er sich auf und flankierte das Rathaus auf beiden Seiten, bis er sich auf dem Marktplatz wieder zusammenschloss. Dann blieben die Schüler stehen. Es ergab sich eine auch symbolisch geschlossene Menschenkette um das gesamte Rathaus, die eine gute Viertelstunde gegen Umweltverschmutzungen und eine vermeintlich falsche Klimapolitik rief und sang.

Klima-Leichen

Die Schüler legten sich für eine Schweigeminute auf dem Marktplatz.

Das war aber noch nicht alles. Nachdem alle zusammen auf dem inzwischen vertrauten Marktplatz versammelt waren, riefen die Organisatoren zu einer Schweigeminute auf. Einer Schweigeminute für das Klima und alle die Menschen, die wegen des Klimawandels gestorben sind. Dafür legten sich die Schüler auf den Marktplatzboden und schwiegen für eine Minute. Danach ging es wie gewohnt weiter mit Warnungen, Reden und Ankündigungen.

Die nächsten Streiks kommen

Im Juni werden die Streiks nämlich fortgesetzt. Zunächst am 14. Juni um 15 Uhr – das ist wohlgemerkt außerhalb der Schulzeit. Die Schüler treffen sich erneut am Hauptbahnhof – sollten aber Fahrräder mitbringen, da es sich um eine spezielle Fahrrad-Demo handelt. Eine Woche darauf reist eine kleine Gruppe als Hildesheimer Vertretung zu einem Zentral-Streik nach Aachen – „da wird es richtig voll“, verspricht Graw.

Politik reagiert

Langsam aber sicher scheinen die andauernden Streiks Wirkung zu zeigen. Auch Bernd Lynack (SPD) wohnte der Demonstration bei. Schon vor einigen Wochen hatte er sich mit den Organisatoren bei einer Talkrunde bei dem Radio Tonkuhle auseinandergesetzt. Inzwischen sei man dabei, auch im Rathaus einiges umzustellen. Unter anderem sind Mitglieder der Hildesheimer Fridays-for-Future-Bewegung eingeladen, mit Fraktionsgremien zusammenzuarbeiten und sich einzubringen. „Vielleicht haben wir zu viele Scheren im Kopf, die sie uns ziehen müssen“, gab Lynack zu. Konkrete Planungen gibt es aber noch nicht.

Der Zusammenarbeit sind auch die Schüler nicht abgeneigt: „Wir wollen ja nicht gegen die Parteien kämpfen, nur gegen die schlechte Klimapolitik“, sagte Graw. Kollegin Pia Bötjer fügte hinzu: „Das bezieht sich auch nicht nur auf die SPD oder andere spezielle Parteien, wir müssen ja alle zusammenhalten.“