Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Und die Schule lernt auch

Veröffentlicht von Andrea Hempen am 13.11.2017.

Söhlde - Nicht nur Schüler, auch Schule muss lernen, sich weiterzuentwickeln. In diesem Sinne setzt die Oberschule auf das Förder-Projekt „Schule atmosfairisch“ in Kooperation mit den Maltesern NRW. Die Heinrich-Dammann-Stiftung unterstützt das Projekt zum Auftakt mit 6000 Euro. Das Ziel ist eine menschlichere Schule, an der die Schüler gut und sorgenfrei lernen können. In Nordrhein-Westfalen und in Sachsen Anhalt ist das Projekt bereits gestartet. Nun also Niedersachsen.

Trainer unterstützt

18 Monate unterstützt ein Trainer der Malteser die Söhlder auf ihrem Weg zur „atmosfairischen Schule“. „Der Fokus in der Schule soll auf dem Lernen liegen. Der Alltag soll draußen bleiben“, sagt Schulleiter Uwe Meinhardt. Dass heißt auch die Sorgen sollen draußen bleiben. Aber wie soll das gehen, wenn die Eltern zuhause gerade besonders viel streiten, die Familie von Geldsorgen gedrückt oder durch Krankheit beeinträchtigt ist? „Die Schüler müssen das Gefühl haben, in der Schule Ansprechpartner zu haben“, erklärt Meinhardt. Der Pädagoge beschreibt ein Beispiel aus dem Alltag. Ein Kind klopft an seine Tür, fragt, ob es ihn sprechen könnte. Der Unterricht beginnt gleich und der Lehrer verspricht, in der großen Pause Zeit zu haben. „Die Hälfte des Drucks fällt damit schon einmal vom Kind ab“, sagt der langjährige Pädagoge. Natürlich muss die Verabredung dann auch eingehalten werden. Förderung ist ebenfalls so ein Thema. Natürlich können die Eltern ihr Kind nachmittags zur Leserechtschreibförderung fahren. Doch mit Fahrtzeit und Nachhilfe sind da schnell mal drei Stunden weg und alle Beteiligten sind noch obendrein genervt. Ist es da nicht besser, das Angebot in der Schule vorzuhalten? Meinhardt ist davon überzeugt. Für ihn gehört auch dazu, dass die Eltern einbezogen werden und: „Dass wir denen auch mal unsere Meinung sagen. Klar, dass das nicht jedem gefällt“, so der 64-Jährige. Eines greift eben ins andere.

Verzahnung

An der Söhlder Oberschule gibt es Integrationsklassen, Berufseinstiegsbegleitung und soziale Gruppen. 36 Lehrer arbeiten mit außerschulischen Partnern, wie Psychologen, Logopäden. Sozialpädagogen, Schulbegleitern und Lerntherapeuten zusammen. „Diese Unterstützungsarbeit wollen wir systematisieren“, erklärt Meinhardt. Die meisten Lehrer gehen den Weg mittlerweile mit, sehen die Unterstützung als Entlastung. Teilweise werden die Pädagogen von Lerntherapeuten im Unterricht unterstützt. Mit der Jugendhilfe Bockemen, die auch schon fast fester Bestandteil der Schule ist, soll es künftig etwa Unterrichts-Videoanalysen geben, um beispielsweise Unruhe in der Klasse auf den Grund zu gehen. Das Projekt, das die Schule zum Lern- und Lebensort machen soll, wird Zeit brauchen und es wird Stück für Stück weiterentwickelt. Schule, so Meinhardt, sei ein Dienstleister. Sie soll junge Menschen fit für die digitale Welt machen, aber auch soziale Kompetenzen und Verantwortungsgefühl lehren. Dieser Aufgabe will sich die Oberschule stellen. Und wenn dazu gehört, dass ein schüchterner Schüler Probleme hat, eine Tür zu öffnen und einzutreten, dann wird eben auch das geübt. Bis die Angst weg ist – denn so lässt es sich besser lernen.