Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Nach Unfall mit Schülern: Fahrer verurteilt

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 13.02.2018.

Emmerke - Fast zwei Jahre ist es her, dass zwischen Emmerke und Giesen ein Kleinbus mit acht Schülern verunglückte. Der Fahrer hatte die Droge Speed genommen. Dienstag wurde der 46-Jährige vor dem Amtsgericht zu einer Bewährungsstrafe von einem Jahr und vier Monaten verurteilt. Bei dem Unfall wurden die Schüler teilweise schwer verletzt. Ein heute 13-Jähriger erlitt eine Schädel-Hirnverletzung – bis heute kann er selbstständig nur wenige Schritte zurücklegen. Sein Sehvermögen ist erheblich beeinträchtigt. Das Sprechen fällt dem Jungen sehr schwer.

Seine Eltern waren als Nebenkläger bei dem Prozess dabei. Und auch andere Eltern von verunglückten Schülern saßen im Zuschauerraum. Zwei Jungen, die am Unfall beteiligt waren, verfolgten den Prozess aufmerksam mit ernsten Mienen. Die Schüler mussten nicht selber vor Gericht aussagen.

Fahrer durfte keine Schüler transportieren

Der Hildesheimer wollte die Schüler am Morgen des 9. März 2016 zur Didrik-Pining-Schule in Hildesheim bringen. Zwischen Emmerke und Giesen kam er mit dem Kleinbus von der Fahrbahn ab. Obwohl der Fahrer bremste, prallte der Bus laut Unfallgutachten mit einer Geschwindigkeit von etwa 100 Kilometern pro Stunde erst gegen einen Poller und dann gegen einen Baum. Die Seitentüren wurden abgerissen, der Bus auf die Straße zurückgeschleudert. Er prallte gegen einen weiteren Baum und kam schließlich zum Stehen. Die Kinder mussten teilweise aus dem Fahrzugwrack herausgeschnitten werden.

Nach dem ärztlichen Gutachten muss der Fahrer vor dem Unfall eine große Menge an Amphetamin zu sich genommen haben. Amphetamin ist ein Bestandteil der Droge Speed. Ein Arzt hatte dem Hildesheimer darüber hinaus wegen einer sehr schweren Herz-Lungen-Erkrankung bereits im März 2015 untersagt, Schüler zu befördern. Das geht aus Arztberichten hervor, welche die Richterin verlas.

„Das war reinste Doofheit“

Nach dem Unfall gab der 46-Jährige seinen Führerschein ab. Dennoch erwischte ihn die Polizei im Mai 2016 noch einmal hinter dem Steuer. „Das war reinste Doofheit“, sagte der Hildesheimer Dienstag vor Gericht. Er saß zusammengesunken auf der Anklagebank, blickte meist zu Boden und gab sich Mühe, die Fragen zu beantworten. Gegen 15 Uhr am Vortag des Unfalls habe er Speed genommen und danach von 18 bis 6 Uhr morgens bei dem Mietwagenunternehmen als Disponent gearbeitet. Zwei Stunden habe er während der Schicht geschlafen, bevor er zu dem Transport aufgebrochen sei. Unmittelbar vor dem Unfall habe ihn ein Schüler angetippt und er habe sich zu ihm umgedreht, behauptet der Angeklagte. Ob die Beschreibung des Unfallhergangs stimmt, und ob der Fahrer in der Nacht vor dem Unfall gearbeitet hat, konnte nicht geklärt werden.

Die Tat wird unter anderem auf Bewährung ausgesetzt, weil der 46-Jährige von Anfang an geständig war und sein Leben nach der Tat verändert hat. Er machte einen Drogenentzug. Durch seine Herzkrankheit ist er zudem erheblich eingeschränkt. Im Alltag bekommt er Hilfe von einem Betreuer.

Entschuldigung bei den Eltern

„Ich habe leider mit so etwas schon gerechnet“, sagte einer der Väter nach den Worten der Staatsanwältin, die für eine Bewährungsstrafe plädierte. „Ich hätte mir gewünscht, dass er mal ein Jahr in Ruhe nachdenken kann.“ Der Fahrer entschuldigte sich am Ende der Verhandlung bei den Eltern: „Wenn ich es nur ungeschehen machen könnte – da würde ich alles für tun.“ Als Vater von vier Kindern könne er sehr gut nachvollziehen, wie es den Eltern geht.