Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Häuserkauf am Hohnsen: Mieter sind besorgt

Veröffentlicht von Rainer Breda am 10.09.2019.

Hildesheim - Eine Tochter-Firma der Lüder-Gruppe hat die Immobilie Hohnsen 60 und 60a gekauft. Unter den rund 20 Mietern herrscht seither Verunsicherung: Demselben Unternehmen gehören direkt nebenan in der Renatastraße drei weitere Häuser – und deren Bewohner mussten zu diesem Sommer ausziehen, weil die Lüder-Gruppe dort Veränderungen plant. Die kündigt das Unternehmen nun auch für die Hohnsen-Gebäude an. Was das aber konkret heißt, ob Sanierung oder Abriss und Neubau, steht nach Angaben von Geschäftsführer Thomas Eisenburger noch nicht fest. Klar ist: Lüder verfügt jetzt an der Ecke über eine zusammenhängende Fläche von rund 4000 Quadratmetern.

Es ist ein paar Wochen her, da fanden die Bewohner der Hohnsen-Häuser einen Brief ihres langjährigen Vermieters in ihren Briefkästen. Er verkündete in dem Schreiben den Verkauf der Immobilie, neuer Ansprechpartner sei die Grundstücksgesellschaft Weinberg 65.

Es herrscht Unruhe

Bei dem Namen schwante einigen Mietern nichts Gutes: Sie wussten von den Vorgehen der Lüder-Tochter in ihrer Nachbarschaft: Dort hatte die Firma im vergangenen Jahr eine „umfassende Sanierung“ der Häuser angekündigt und den 25 Mietern erklärt, sie müssten ausziehen. Das ist inzwischen geschehen, dem Vernehmen nach stehen bis auf zwei Wohnungen alle leer.

Nun befürchten die Bewohner der beiden Hohnsen-Häuser, es könnte ihnen ähnlich ergehen. Es gebe große Unruhe, heißt es. Zumal manche Mieter bereits sehr lange in dem Gebäude leben – allen voran eine 80-Jährige, die vor 56 Jahren eingezogen ist.„Wir wollen Klarheit, und das möglichst schnell“, sagte eine Bewohnerin der HAZ.

Energetischer Zustand nicht zeitgemäß

Doch ob dieser Wunsch in Erfüllung geht, ist ungewiss. Bislang haben die Mieter von ihren neuen Hausherren nichts gehört. Gegenüber der HAZ hat Lüder-Geschäftsführer Thomas Eisenburger nun ankündigt, „in Kürze“ mit ihnen zu sprechen. Er beschreibt die Häuser wie jene in der Renatastraße als sanierungsbedürftig, der energetische Zustand sei nicht mehr zeitgemäß.

Welche Schlüsse die Lüder-Gruppe allerdings aus dieser Einschätzung zieht, steht laut Eisenburger nicht fest: „Ob wir die Gebäude sanieren oder insgesamt durch Neubauten ersetzen, ist derzeit noch nicht entschieden.“ Klar sei aber: Das Unternehmen werde 2019 „in jedem Fall“ noch nicht mit Baumaßnahmen beginnen, auch für die Hohnsen-Häuser sei dergleichen vor Sommer 2020 nicht geplant. Statt dessen wolle man die Pläne für den Standort nach dem Kauf der Hohnsen-Häuser noch einmal überdenken und dann mit der Stadt abstimmen.

Die weiß bislang nach eigenen Angaben nicht, was Lüder an der Ecke Renatastraße/Hohnsen vorhat. Es werde aber sicher eine Abstimmung geben, versicherte Rathaussprecher Helge Miethe. Darauf dürfte die Bauverwaltung drängen: Schließlich hat die Stadt den Bereich im Fokus, weil sie die Kreuzung am Goschentor umgestalten will. „Grundsätzlich denkbar“ seien auf den Lüder-Flächen Wohnungen, Büros oder Gastronomie.

Kommentar: Ein Fall für die Politik

Von Rainer Breda

Auch, wenn sich die Lüder-Gruppe bislang nicht zu ihren Plänen äußern will: Man kann getrost davon ausgehen, dass auf der Fläche, um die es geht, Neubauten entstehen. Diese mögen die Gegend am Ende vielleicht optisch und städtebaulich aufwerten; das ist aber für die zum Teil langjährigen Mieter, die dafür weichen müssen, kein Trost.

Die Politik sollte das Thema allein schon aus diesen Grund im Auge behalten und nicht der Verwaltung(sspitze) überlassen. Diese könnte den Rat nach derzeitiger Rechtslage bei der Abstimmung mit der Lüder-Gruppe außen vor lassen. Besser nicht.