Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Vergänglichkeit in schöner Form

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 12.04.2019.

Werner Tolksdorf stellt im April im Glashaus Derneburg „Memories“ aus

Von Martin Ganzkow

Derneburg. Werner Tolksdorf aus Hildesheim hat seinen Bildern, die er im Glashaus ausstellt, den Titel „Memories“ gegeben. Seine Erinnerungen sind abstrakte Farbkompositionen, die wie ein Traum vage Spuren hinterlassen.

Die frühen Bilder von Werner Tolksdorf sind anthroposophisch geprägt. Nach der Farbenlehre von Goethe und den Lehren von Rudolph Steiner malte er farben- und lichtdurchflutete Formharmonien in feinster Lasurtechnik. Im Bild „Himmelfahrt“ kommt das Licht von oben herab und konzentriert sich durch farbige Schichten hindurch in einem winzigen Stern. Die hellen pastell-farbenen Farbtöne scheinen nicht aus dieser Welt zu stammen – der Raum öffnet sich in unendliche Weiten.

Die heutigen Bilder sind wesentlich freier in ihrer Farbgestaltung. Die gemalten, gespachtelten und gesprühten Farbkompositionen folgen dennoch einem Prinzip, das geometrische Linien mit freien Farbverläufen kombiniert. Viele der Bilder sind von senkrechten Linien geformt, und helle Farben zerlaufen über dunklen tiefscheinenden Gründen. So entsteht ein interessantes und vielschichtiges Spiel zwischen Strenge und spielerischer Auflösung, zwischen Ordnung und Chaos.

Einige Bilder streifen auch die Grenze zum Konkreten, zum Beispiel dann, wenn eine waagerechte Linie einen Horizont und damit eine Landschaft andeutet. Ein anderes Bild zitiert ganz versteckt das berühmte Bild „Der Ursprung der Welt“ von Gustave Courbet. Die feinen Linien einer dunkel grün-blauen Hügellandschaft können auch als die gespreizten Beine einer Frau gesehen werden, aus deren Mitte eine rot-gelbe Fontäne emporsteigt. Das Thema „Aus dem Dunklen zum Licht“ bekommt so eine ganz neue, existenzielle Bedeutung.

Außerdem stellt Werner Tolksdorf zwei Variationen desselben Themas vor: Das Bild „Golgatha“ von 1998 zeigt den Ort der Kreuzigung in leuchtenden Farben. Im gleißenden Licht des innersten Kreises erscheint die lichte Gestalt des gekreuzigten Jesus und unter ihm drei trauernde Figuren im harmonischen Farbklang.

Das Bild „Golgatha“ von 2019 reduziert das Thema auf eine waagerechte und eine senkrechte Linie, die das Kreuz, den Weg und die Ordnung symbolisieren. Über der waagerechten Linie spiegelt sich der Himmel in blau-gelben Tönen und darunter erstreckt sich streng getrennt eine sich aus Farbresten auflösende verwitterte Oberfläche. Das ist Vergänglichkeit in ihrer schönsten und abstrakten Form.

Die Ausstellung bleibt bis zum 1. Mai geöffnet und ist während der Öffnungszeiten des Cafés am Samstag von 14 bis 18 Uhr, am Sonntag von 13 bis 18 Uhr zu sehen. Eintritt frei.