Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Volleyball-Profi durch Zufall

Veröffentlicht von Andreas Kreth am 06.12.2018.

Hildesheim - Heute ist er nur deshalb ein Grizzly, weil er nach der Schule keinen Bock hatte, nach Hause zu gehen. „Mein bester Freund spielte im Team unserer Highschool und holte mich dazu. Sonst wäre aus mir wohl kein Volleyballer geworden“, verrät Antwain Aguillard.

Der 29-jährige US-Amerikaner war vier Tage vor dem Saisonauftakt gegen die Recycling Volleys Berlin als letzter Neuzugang zu den Helios Grizzlys Giesen gestoßen. An diesem Sonnabend will er im Heimspiel gegen die Netzhoppers Königswusterhausen (19 Uhr, Volksbank-Arena) den ersten Sieg in der 1. Liga erreichen. „Wird Zeit“, sagt der Mittelblocker aus dem Spieler-Paradies Las Vegas. Im Casino hätte er noch nie Glück gehabt. Doch das störe ihn nicht: „Ich will beim Volleyball gewinnen, am Sonnabend mit 3:0 – schließlich spiele ich nicht, um zu verlieren.“

Ein Wandervogel

Aguillard ist ein Wandervogel. Nach vier Jahren im Universitätsteam in Long Beach/Kalifornien zog es ihn 2011 nach Israel. Es folgten weitere Stationen in Finnland, Italien, Rumänien und Frankreich. Für diese Saison hatte er eigentlich schon bei einem griechischen Erstligisten unterschrieben. „Aber ich habe den Vertrag aufgelöst und bin lieber nach Giesen gegangen.“

„Antwain hat hohe Qualität im Block und einen sehr aggressiven Aufschlag“, sagt Grizzlys-Trainer Itamar Stein über den Profi aus Nevada. „Er hat viel Erfahrung und bringt Ruhe ins Team.“ Mittlerweile habe er sich gut mit den Kollegen eingespielt und bekomme mehr Spielanteile. Ein Block von Aguillard sicherte den Grizzlys zuletzt beim Pokalspiel gegen Düren (1:3) den Gewinn des ersten Satzes.

Er liebt Brot mit Körnern

„Wir wollen gegen die Netzhoppers wenigstens zwei Punkte holen“, sagt Trainer Stein. „Wenn wir von Anfang bis Ende hundert Prozent geben, werden wir auch gewinnen. Ich sehe uns mit Königswusterhausen auf Augenhöhe – der Heimvorteil und unser tolles Publikum könnten den Ausschlag geben.“ Aguillard soll dabei eine wichtige Rolle übernehmen.

Der Amerikaner ist auch abseits des Spielfeldes angekommen. Der Verein hat ihm eine Wohnung in Hildesheims Norden organisiert. „Deutschland ist sehr sauber, alles gut organisiert – wie Finnland.“ Bis auf ein paar Floskeln („alles gut, alles klar, wie geht’s, guten Appetit, guten Morgen“) könne er aber leider nicht viel Deutsch reden. „Ich liebe das Brot hier, das mit Körnern drauf“, sagt der 29-Jährige. In seiner Freizeit ist er bei Netflix unterwegs oder hört Musik. Welche Richtung? „Alles mögliche, am liebsten französischen Hip-Hop. Da verstehe ich zwar kein Wort, aber ich liebe den Rhythmus der Sprache.“ Deshalb spricht er seinen Vornamen Antwain auch französisch als „Antoine“ aus.

„Sieg wäre sehr wichtig“

„Er ist ein sehr positiver, lockerer Typ“, lobt der Trainer den Mittelblocker, der nur durch Zufall zum Volleyball gekommen ist. Klappt nun der erste Sieg? Itamar Stein: „Das wäre für uns alle sehr wichtig.“