Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Voswinkel will Filiale in der Arneken Galerie aufgeben

Veröffentlicht von Jan Fuhrhop am 29.07.2019.

Hildesheim - Drei Monate nachdem die Sportgeschäftkette Voswinkel wegen finanzieller Probleme in ein sogenanntes Schutzschirmverfahren eingetreten ist, steht fest: Die Hildesheimer Filiale in der Arneken Galerie soll zum 31. Oktober aufgegeben werden. Neun Mitarbeiter sind dort beschäftigt.

Insgesamt kündigt das Dortmunder Unternehmen die Mietverträge für 22 von 72 Standorten. Zudem sollen im Warenverteilzentrum in Bochum und in der Zentrale in Dortmund Stellen abgebaut werden. Insgesamt sind von den Sparplänen 275 Arbeitsplätze betroffen. Alle für die Schließung vorgesehenen Filialen seien als „nicht zukunftsfähig“ eingestuft worden, teilt der Sprecher einer für Voswinkel tätigen PR-Agentur auf Nachfrage mit. Diese Standorte hätten „zum Verlust beigetragen“.

Neun Mitarbeiter betroffen

Die Hoffnung ist nun: durch den Schrumpfkurs und das nun anstehende Insolvenzverfahren in Eigenverantwortung wieder in ruhige Fahrwasser zu gelangen und die Kette zu retten. Ob die Mitarbeiter der Hildesheimer Filiale dennoch weitermachen können, ist noch offen. „Wir bemühen uns, für die betroffenen Filialen einen Käufer zu finden und so möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten,“ sagt Marcus Neul, Geschäftsführer der Sport Voswinkel GmbH & Co. KG.

Der Centermanager der Arneken Galerie, Holger Höfner, will das Aus der Filiale aber noch nicht als besiegelt ansehen – er verweist auf Gespräche zwischen der Voswinkel-Führung und der Zentrale des Galerie-Betreibers Klépierre. „Wir suchen noch nach einer Lösung.“ Die könnte nach Ansicht Höfners eine niedrigere Miete sein, die für das Center „noch tragbar“ wäre, und Voswinkel beim Sparen helfen würde. Denn eines ist klar: Würde Voswinkel tatsächlich ausziehen, stünden 800 Quadratmeter leer und es wäre für die Arneken Galerie „ein Rückschlag“, wie Höfner unumwunden einräumt.

Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter von Sport-Voswinkel werden ab 1. August wieder vom Unternehmen gezahlt. Während des Schutzschirmverfahrens – einer Sonderform des Insolvenzverfahrens, das nur Unternehmen offensteht, die eine Aussicht auf eine Sanierung haben –, hatte die Agentur für Arbeit die Zahlungen übernommen.

Bavenstedter Standort bleibt

Die Rettung des Unternehmens, das zuletzt insgesamt rund 1200 Mitarbeiter beschäftigte, soll nun im Eigenverfahren laufen. Im Unterschied zu einem regulären Insolvenzverfahren bleibt dabei die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung, die die Sanierung selbst steuert; bei Sport Voswinkel sind dies Anna-Lena Schulte-Angels und Marcus Neul. Ihnen zur Seite gestellt ist der Sanierungsexperte Dr. Lorenzo Matthaei von der Kanzlei Finkenhof Rechtsanwälte. In der Eigenverwaltung setzt das zuständige Amtsgericht Dortmund keinen Insolvenzverwalter, sondern einen sogenannten Sachwalter ein.

Das zweite Hildesheimer Geschäft in Bavenstedt will Voswinkel weiter selbst betreiben.