Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Baustart von Wahle-Mecklar verzögert sich

Veröffentlicht von Tarek Abu Ajamieh am 14.03.2019.

Kreis Hildesheim - Der Bau der Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar dürfte später beginnen als erwartet. Gibt es entlang der vorgesehenen Erdkabel-Trasse zwischen Söhlde und Sillium Feldhamster, könnten zumindest dort sogar noch einige Monate mehr ins Land gehen, bis Bagger und andere Baumaschinen anrücken. Unterdessen steht am 3. April ein wichtiger Gerichtstermin für das Stromleitungs-Projekt an.

Ursprünglich sollten die Bauarbeiten im Frühjahr beginnen, bis Ende März wollte der Netzbetreiber Tennet bei Baddeckenstedt einen sogenannten Kabelpflug testen, mit dessen Hilfe die Stromleitung deutlich schonender in den Boden gebracht werden könnte als bislang geplant. Doch inzwischen geht Unternehmens-Sprecher Markus Lieberknecht davon aus, dass es erst „Mitte des zweiten Quartals“ zum Probepflügen kommt, sprich im Mai.

Hamster werden kartiert

Beim eigentlichen Baubeginn wagt Lieberknecht keine neue Prognose. Denn noch immer wartet Tennet auf den sogenannten Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr. „Die erwarten wir im Frühsommer“, sagt der Tennet-Sprecher. Die Behörde selbst äußerte am Donnerstag auf Nachfrage die Hoffnung, dass es „zeitnah“ zur Genehmigung kommen werde. Allerdings habe Tennet im Oktober noch einmal Änderungen in der Planung vorgelegt, die eine erneute Öffentlichkeits-Beteiligung nötig gemacht hätten. Deren Ergebnisse stehen noch nicht fest.

Unabhängig davon will Tennet in den nächsten Wochen mit „vorbereitenden Arbeiten“ beginnen. Dazu gehört unter anderem die Untersuchung von Ackerflächen, auf denen Feldhamster leben könnten. Bis diese Kartierungen beginnen, müssen die Nager allerdings erst einmal aus dem Winterschlaf erwachen. Werden dann welche gefunden, vor allem im Bereich des Erdkabel-Abschnitts, müsste Tennet sie umsiedeln – was wiederum erst im Spätsommer möglich wäre. Entsprechend würde sich zumindest in diesem Bereich der Baubeginn noch weiter verzögern.

Verhandlung vor Bundesgericht

Eigentlich will Tennet mit den Arbeiten zwischen Wahle und Lamspringe – also auf dem sogenannten Abschnitt A – an verschiedenen Stellen gleichzeitig anfangen. Während nördlich und südlich des Erdkabel-Abschnitts die ersten Masten errichtet werden sollen, will Tennet möglichst parallel auch die unterirdische Leitung verbuddeln – und zudem mit dem aufwendigen Bau der beiden sogenannten Übergangsanlagen beginnen, jenen Bauwerken, bei denen das Stromkabel von der Freileitung zum Erdkabel wechselt und umgekehrt.

Gespannt blicken Netzbetreiber Tennet und die Straßenbau-Behörde als Genehmigungsstelle zudem nach Leipzig. Dort hat das Bundesverwaltungsgericht für Mittwoch, 3. April, die mündliche Verhandlung zur Klage der Stadt Einbeck gegen die Genehmigung von Wahle-Mecklar anberaumt. Die Stadt hatte gegen den Planfeststellungsbeschluss zum Abschnitt B (Lamspringe-Hardegsen) geklagt, weil die geplante Zickzack-Route im Bereich der Stadt mehrere Ortsteile förmlich einkreise und damit Anlieger und Landschaft über Gebühr belaste. Im Abschnitt B hatte Tennet im März vergangenen Jahrs mit dem Bau begonnen, inzwischen stehen elf Strommasten. Die gesamte Leitung soll im Jahr 2021 in Betrieb gehen.