Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Was tun gegen Verkehrschaos auf der B1-Brücke?

Veröffentlicht von Viktoria Hübner am 10.09.2018.

Burgstemmen - Dass die Sanierung der Leineflutbrücke an der Bundesstraße 1 in Burgstemmen keine schnelle Angelegenheit wird, dürfte nach zweijähriger Sperrung klar sein. Noch mindestens bis zum Frühjahr 2019 müssen Verkehrsteilnehmer mit dem Engpass leben. Dann, so hat die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr mitgeteilt, sollen die Bauarbeiten beginnen.

Ob es bei dem Zeitpunkt bleibt, ist aber fraglich. Sorgen bereitet Ortsbürgermeisterin Heike Gesemann (SPD) jedoch die Zunahme des Schwerlastverkehrs – vor allem aus dem osteuropäischen Raum – und das unachtsame Verhalten von Autofahrern. „Zu den Hauptverkehrszeiten herrscht Chaos pur“, sagt Gesemann. Erleichterung könnte ihrer Ansicht nach eine Ampelregelung bringen. Doch dieser Vorschlag fand bislang kein Gehör.

Mehr Verkehr

Nur Millimeter voneinander entfernt und ganz langsam rangieren die beiden 40-Tonner aneinander vorbei. Mit angespannter Miene achten die Fahrer darauf, dass sich ihre Außenspiegel nicht touchieren. Hinter den Lastwagen reihen sich Autoschlangen. In Burgstemmen gehören solche Szenen seit der einspurigen Sperrung der Leineflutbrücke zum Alltag. Bislang rollen 8400 Fahrzeuge durchschnittlich pro Tag auf dieser Strecke, inklusive 600 Lastern.

Doch Ortsbürgermeisterin Gesemann hat festgestellt, dass es mehr werden, besonders Trucks aus Osteuropa. Warum gerade die sich durch den knapp 1100-Einwohner-Ort quälen, kann die Bürgermeisterin auch nur vermuten: „Entweder fahren sie eine Abkürzung, um die Baustelle auf der Autobahn 2 oder die Mautstellen zu umfahren.“ Nach ihrem Dafürhalten handelt es sich jedoch um keinen Verkehr, der dringend durch Hildesheim fahren müsse.

Enge Kurve und Rückstau

So oder so hakt es verkehrstechnisch: Um die 90 Grad-Kurve bewältigen zu können, müssen Sattelschlepper zwangsweise auf die Gegenfahrbahn ausweichen, was den Verkehrsfluss stoppt. Autofahrer hingegen fahren trotz Rückstaus in die Kurve, obwohl sie an einer gelben Haltelinie warten sollen; ein Warnschild an der Reichsstraße weist ausdrücklich daraufhin. Wer von der Poppenburger Straße auf die B1 abbiegen will, kommt gar nicht erst raus, berichtet Gesemann. Ähnlich geht es denjenigen, die von Elze über die Brücke in die Poppenburger Straße abbiegen wollen und nicht können, weil die dicht an dicht stehenden Fahrzeuge die Abfahrt blockieren. Das bedeutet, wieder einen Rückstau bis zur Baustelle.

Der Wunsch des Ortsrates und der Bürgermeisterin nach einer Ampelregelung hielt die Verkehrskommission, ein Gremium aus Vertretern des Landkreises, der Polizei und dem Straßenbaulastträger, bisher für nicht nötig (die HAZ berichtete). Es sei nur „das Fehlverhalten Einzelner“, zitiert Gesemann. Ansonsten sei die Verkehrssituation bei Beachtung der Verkehrszeichen problemlos zu bewältigen. Gesemann, die die Argumentation als ein „bisschen wenig“ einstuft, sieht es umgedreht. Es seien Einzelne, die sich daran hielten. Ein erneutes Gespräch mit den Verantwortlichen würde sie ebenso begrüßen wie den Umstand, bei der nächsten Begehung mitgehen zu dürfen. „Wir sind schließlich diejenigen, die im Ort angesprochen werden.“

Unkonkrete Pläne

Konkrete Aussagen über Beginn und Länge der Bauarbeiten, die Umleitungsstrecke sowie die Gesamtkosten kann Mirko Graen von der Niedersächsischen Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr derzeit nicht treffen, „da die Bearbeitung des Bauwerksentwurfes noch bis Herbst 2018 andauert“. Geplant sei kein Brückenneubau, sondern eine umfangreiche Erhaltungsmaßnahme, in der der marode Beton- durch einen neuen Stahlüberbau ersetzt werde. „Ich gehe davon aus, dass die Baumaßnahme ab März/April 2019 umgesetzt wird“, sagt Graen. Ersten Schätzungen zufolge beläuft sich diese auf rund 380 000 Euro. Bezüglich der Länge der Sperrung prognostiziert Graen vorsichtig drei bis vier Wochen.

„Hinter das Datum des genannten Baubeginns mache ich ein großes Fragezeichen“, gibt sich Gesemann skeptisch. „Ich glaube das erst, wenn ich drüberfahre.“