Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Was von der alten Kastanie bleibt: ein Kletterstamm – und Material für Kugelschreiber

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 17.04.2019.

150 Jahre alter Baum an der Sibbesser Grundschule war krank und wurde am Dienstag gefällt

Von Petra Meyfarth

Sibbesse. In ihrem Schatten haben Generationen von Schülern in den Pausen gespielt. Nun ist die große charakteristische Kastanie auf der Wiese der Sibbesser Grundschule nicht mehr da. Mitarbeiter einer Fachfirma haben den gut 18 Meter hohen kranken Baum am Dienstag gefällt.

„Der Baum hat uns schon lange Sorgen gemacht“, sagt Sibbesses Bauamtsleiter Stefan Kentzler. Bereits seit einigen Jahren hat die rund 150 Jahre alte Kastanie gekränkelt. Immer wieder hatte die Gemeinde unter anderem durch Kronensicherung versucht, den Baum zu retten. Nun war die Standfestigkeit nicht mehr gewährleistet. Die Äste sind nicht mehr bruchsicher“, sagt Kentzler. „Wir müssen unserer Verkehrssicherungspflicht nachkommen.“

Ein Bakterium hatte dem imposanten Baum zugesetzt und eine reibungslose Wasser-Versorgung zwischen Wurzel und Stamm verhindert. Mehr als 80 Prozent wurden nicht mehr gut versorgt. Die extremen Sommer der beiden vergangenen Jahre haben dem Baum zusätzlich zugesetzt. Bereits im Frühjahr 2017 habe es keine nennenswerten Niederschläge gegeben und dann sei der äußerst trockene Sommer 2018 gekommen, erklärt der Baumsachverständige Ulrich Barnstorf-Brandes. Für die Vitalität eines Baumes sei das verheerend.

Die Baumfällaktion am Dienstagmorgen hat Manuel Barazutti von der Firma „biloba“ aus Petze minutiös geplant. Eigentlich hatte der Agrarfachwirt einen Tag dafür vorgesehen. Doch die Wetterbedingungen sind gut, es geht zügig voran. Mit Hilfe von Seilklettertechnik erklimmen Experten den Baum, platzieren ihre Sägen millimetergenau und sorgen mit geschultem Augenmaß und Präzision dafür, dass nicht ein Zweig die Glasfront oder das Dach der benachbarten Schwimmhalle beschädigen. Von unten nach oben befreien die Baumfäller die Kastanie vom Astwerk. Die Bewegungsabläufe der beiden Kletterer in dem Geflecht der beweglichen Äste sind sicher und routiniert.

Mit Motorsäge in den Baum dürfen nur Baumspezialisten mit aufwändiger Zusatzausbildung in Klettertechnik, die mindestens 300 Stunden Klettereinsätze nachweisen können.

Mit Hilfe eines Baggers wird ein Teil der Äste zur Entsorgung in einen Container verfrachtet.

Etwas von ihrer Kastanie wollen die Sibbesser aber behalten. So sollen einige Stämme für die Abgrenzung der Schulwiese genutzt werden, ein besonders schönes Exemplar soll als Kletterbaum für die Schulkinder dienen. Auch Hobbydrechsler Norbert E. Herold aus Westfeld hat sich bereits etwas von dem Holz gesichert. Das Westfelder Ortsratsmitglied plant, davon unter anderem Holzkugelschreiber

Nach Plänen der Gemeinde soll die Schul- und Schwimmhallenwiese nicht baumlos bleiben. „An der exponierten Stelle wollen wir eine Eiche pflanzen – voraussichtlich im Herbst“, kündigt der Bauamtsleiter an. Einen größeren Baum, der bereits 30 Zentimeter Stamm-Durchmesser habe.