Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wehrstedt bekommt sein eigenes Bier

Veröffentlicht von Ulrike Kohrs am 16.04.2018.

Wehrstedt/Hildesheim - Ein bisschen müssen sich die Wehrstedter noch gedulden. Bis zum 25. Mai, um genau zu sein. Dann können sie mit den ersten Flaschen ihres eigenen Bieres anstoßen. Zurzeit ruht das noch bei der Hildesheimer Braumanufaktur. Mit den Brauern Jan Pfeiffer und Malte Feldmann hat der Wehrstedter Heimatverein anlässlich der 888-Jahrfeier des Ortes ein eigenes Bier kreiert.

Zum Wehrstedter Geburtstag soll jeder Verein, jede Institution etwas besonderes beisteuern, das hatte das Festkomitee beschlossen. Denn geplant ist, den Schnapszahl-Geburtstag mit verschiedenen Aktionen das ganze Jahr über zufeiern. Für den guten Tropfen zum Fest will der Heimatverein sorgen.

A, 25. Mai wird ausgeschenkt

„Wir wollen zu unserem Grillabend am 25. Mai ein besonderes Wehrstedter Bier ausschenken“, erzählt Ingo Jörren vom Vereinsvorstand. Das soll aber eben nicht einfach ein handelsübliches Bier sein, auf dessen Flaschen einfach ein neues Etikett geklebt wird. Der Hopfensaft sollte nach eigenem Rezept und mit dem Wasser aus dem Wehrstedter Schellbrunnen gebraut werden – so der Plan. „Das Wasser aus dem Brunnen galt in Wehrstedt über Jahrzehnte als Festtagswasser“, erzählt Jörrens Vereinskollegin Stefanie Bartens. Als Kind ist sie selbst noch mit einer Kanne losgezogen, um Wasser zu holen. „Damit wurde dann zum Beispiel an Geburtstagen der Kaffee gekocht.“ Jetzt sollte aus dem Wasser Bier gebraut werden. Das fanden auch die beiden Brauer Jan Pfeiffer und Malte Feldmann, die vom Heimatverein mittlerweile für das Projekt gewonnen werden konnten, interessant – und setzten schon mal vorab eine 20 Liter Brauprobe mit dem Wehrstedter Wasser an. Doch dabei musste es dann auch bleiben.

Das Wasser hat die strenge Trinkwasserkontrolle nicht überstanden. „Es wurde ein Keim gefunden, der aus dem Boden ausgeschwemmt wird“, bedauert Jörren. Beim Brauvorgang wäre das Wasser zwar eine Stunde lang gekocht worden und der Keim wäre unbedenklich gewese, doch Gesetz ist Gesetz – und danach schied das kühle Nass aus dem Brunnen aus.

Bier aus Harzwasser

„Schade“, sagt Jörren. Doch Bier gibt es trotzdem, wenn auch aus Harzwasser, das im alten Wasserwerk, in dem die Braumanufaktur ihren Sitz hat, aus der Leitung kommt. Das Rezept haben die Wehrstedter zusammen mit den Brauern entwickelt. „Bier besteht nur aus Wasser, Malz, Hopfen und Hefe“, erklärt Pfeiffer. Doch die Zutaten gibt es in zahlreichen Sorten. Auswahl und Zusammensetzung bestimmen den Geschmack.

„Wir haben in der Braumanufaktur zunächst ganz verschiedene Biere getestet“, erinnern sich Jörren und Ortsbürgermeister Günter Raschke an einen feucht-fröhlichen Abend in Hildesheim. 50 Wehrstedter waren dafür mit einem Bus zum Wasserwerk gefahren. Die Wahl ist letztlich auf ein klassisches Festtagsbier gefallen – ein süffiges Bier mit stärkerem Malzgeschmack und etwas höherem Alkoholgehalt. 500 Liter reifen zur Zeit in einem Fass in der Braumanufaktur. Nach sechs Wochen wird es in Flaschen abgefüllt und pünktlich zum Grillabend nach Wehrstedt geliefert. Wer das Bier lieber zu Hause trinken möchte, kann es ab dem 25. Mai in den örtlichen Supermärkten Süd-Kauf und Rewe (Ahnepaule) kaufen – aber nur, solange der Vorrat reicht.