Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wie Haustiere der Gesundheit gut tun

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 08.10.2019.

Hildesheim - Uni-Katze Fräulein Sinner war einfach nur da. 17 Jahre lang strich sie durch die Hildesheimer Hörsäle und verzückte ganze Generationen von Studenten. In diesem Sommer ist Fräulein Sinner gestorben und damit fehlt der Uni nicht einfach ein Maskottchen. Sondern quasi auch eine inoffizielle Mitarbeiterin im Fachbereich Psychologie. Denn die Anwesenheit von Tieren wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus.

Das ist nicht nur gefühlte Wahrheit, sondern wird von verschiedenen Studien untermauert. Eine der aktuellsten: Die Heimtierstudie zu dem Thema „Ökonomische und soziale Bedeutung der Heimtierhaltung in Deutschland“ von Professorin Renate Ohr, Volkswirtin von der Universität Göttingen mit Unterstützung der AGILA Haustierversicherung.

Hundebesitzer seltener beim Arzt

Etwa jeder fünfte Hundebesitzer gibt demnach an, seit Einzug seines tierischen Mitbewohners seltener zum Arzt zu müssen. Insgesamt wurden 5290 Hunde- und Katzenbesitzer online befragt. 80 Prozent von ihnen haben berichtet, dass sich ihre Lebenszufriedenheit dank der Tiere verbessert hat. Und nicht nur das: Zwei Drittel der Befragten fühlen sich seitdem sogar gesünder. Die tägliche Bewegung von Mensch und Tier stärkt laut einem internationalen Medizinerteam der American Heart Association in Houston das Immunsystem, senkt den Blutdruck, hilft gegen Übergewicht und bei Rücken- und Kniebeschwerden.

Ein Haustier ist also echter Balsam für Physis und auch für die Psyche. Das kann Henrike Krause-Hünerjäger - , stellvertretene ärztliche Direktorin und Chefärztin für Allgemeinpsychiatrie am Ameos-Klinikum aus fachlicher Sicht bestätigen. An der Klinik ist im Gespräch, tiergestützte Therapien einzuführen. Begleitend zum Gesamttherapiekonzept hält Krause-Hünerjäger das für sehr sinnvoll, denn eine solche Therapie ist für nahezu alle Krankheitsbilder, von Depression über Angst- und Persönlichkeitsstörungen bis zum Burnout, und jede Altersklasse geeignet. Allein kann die tiergestützte Therapie keine Wunder vollbringen, als Teil des Therapiekonzepts, das für jeden Patienten individuell zusammengestellt wird, aber durchaus positive Ergebnisse erzielen. Nach international anerkannten Kriterien, soll diese Therapieform dazu beitragen, das Wohlbefinden zu verbessern und Depressionen und Ängste zu verringern. „Verbesserung von Kommunikation, Vertrauen, Selbstwertgefühl und sozialen Kontakten gehen ebenfalls damit einher“, erklärt die Ärztin.

Gassigehen hält fit

Auch Dr. Dorothea Mordeja - , Fachärztin für Allgemeinmedizin, bestätigt die positiven Auswirkungen von Haustieren auf Menschen. Dabei sei es egal, ob der tierische Mitbewohner Hund, Katze oder Vogel ist, die Hauptsache ist, der Mensch hat jemanden, um den er sich kümmern und mit dem er sprechen kann – das allein trägt schon viel zu seinem Lebensgefühl bei. Bei Hunden kommt noch das regelmäßige Gassigehen hinzu, das einen geregelten Tagesablauf erfordert, Herrchen und Frauchen in Schwung bringt und körperlich fit hält.

Hundetrainerin Martina Dechant - hat ähnliche Erfahrungen mit dem Thema. Sie besucht mit zwei Hunden seit zwei Jahren jeden Dienstag die Bewohner des Altenheims Immengarten. Dort kann sie häufig positive Entwicklungen beobachten – beispielsweise wie eine Bewohnerin nach einem Schlaganfall ihre unbewegbare Hand wieder bewegen kann. Dass das nur an den Besuchen der Hunde liegt, ist spekulativ, dass sie aber ihren Teil dazu beitragen, ist für Dechant sicher. „Die Leute haben Spaß und freuen sich, wenn die Hunde kommen“, sagt sie. Demenz-Kranke werden aufgeschlossener, und allgemein sind die Menschen aufmerksamer. Sie streicheln, halten die Hunde und entwickeln Beziehungen zu ihnen. „Da kommt mein Mädchen“, hat ein Bewohner jedes Mal gesagt, wenn die Hündin Elise zu ihm kam und sich an seine Füße legte.

Auswirkungen auf Kinder

„Während der kleine Wirbelwind Piccolino vor allem zur Unterhaltung dient, legt sich der große Fernando auch zu Sterbenden und gibt ihnen Energie. Auch Menschen, die psychisch nicht mehr so fit sind, kann er helfen, indem er viel Ruhe ausstrahlt und diese auf sie überträgt“, sagt Dechant.

Die Hundetrainerin besucht auch Einrichtungen für geistig und körperlich behinderte Kinder, etwa das Förderzentrum im Bockfeld. Auch auf die Kinder haben die Hunde positive Auswirkungen – sie lernen, ruhiger zu sein und achtsam mit den Tieren umzugehen. „Viele Kinder haben Angst vor Hunden, aber schon nach kurzer Zeit öffnen sie sich, sprechen und kuscheln mit den Tieren“, erzählt sie. „Ich sehe Hunde als Brücke zu Menschen mit sozialen Einschränkungen“ fasst Dechant ihre Beobachtungen bei ihrer Arbeit mit Menschen und Hunden zusammen und bezieht sich dabei sowohl auf (behinderte) Kinder als auch auf ältere Menschen.