Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wie wirksam sind die Warn-Reflektoren?

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 14.11.2017.

Kreis Hildesheim - Seit nunmehr vier Jahren werden in Hildesheim und Umgebung blaue Reflektoren an Leitpfosten befestigt. Sie sollen Tiere abschrecken und so die Zahl der Wildunfälle reduzieren. Doch wie effektiv sind sie wirklich?

Zu Beginn des Jahres 2015 wurde in Duingen begonnen, Reflektoren an die Straßen-Leitpfosten zu montieren. Sie sind so ausgerichtet, dass das Licht der Auto-Scheinwerfer auf das nebenliegende Feld oder in den Wald gelenkt wird. So sollen etwa Rehe und andere Tiere abgeschreckt und am Überqueren der Straße gehindert werden. Das blaue Licht wirkt Studien zufolge besonders intensiv auf das Wild.

Aufbau weitgehend abgeschlossen

Im Landkreis sind die Aufbau-Arbeiten des Projektes weitgehend abgeschlossen, die für Tiere gefährlichsten Straßen wurden mit den Reflektoren versehen. Nun warten Jäger und Behörden auf langfristige Ergebnisse.

Zumindest auf kurze Sicht kommen die Verantwortlichen auf eine positive Bilanz: Die Zahl der Wildunfälle ist an den betroffenen Stellen zurückgegangen – wenn auch nicht drastisch. Gerade rund um die Zeitumstellungen kommt es vermehrt zu Kollisionen. „Die Rehe überqueren meist morgens und abends in der Dämmerung die Straße,“ so Kreisjägermeister Joachim Algermissen, „wenn sich durch die Umstellung das Verkehrsaufkommen um eine Stunde verschiebt, kann das Wild nur schwer darauf reagieren.

An kritischen Straßen wie am Borsumer Wald oder zwischen Wendhausen und Heinde sollen deshalb die Reflektoren dafür sorgen, dass Wild zumindest kurzzeitig aufgehalten wird, bis das Fahrzeug vorbeigefahren ist.

Es gibt Bedenken

Bedenken gibt es von Behörden und Ministerien, die den Jagdpächtern die Installation der Reflektoren bislang freistellen. Der Landtag von Baden-Württemberg sieht keine bewiesene Verbesserung der Situation. Er stützt sich auf Studien der Forstlichen Versuchs- und Forschungsanstalt und der technischen Universität Dresden, die nahelegen, dass weder die Farbe Blau noch die Lichtstärke der Reflektoren eine relevante Wirkung auf das Verhalten der Tiere hat.

Hubert Schröter, Vertreter der Borsumer Jägerschaft, sieht dennoch eine positive Tendenz. Doch er möchte die „dunkle Jahreszeit“ abwarten, um abschließend urteilen zu können.

So viele Wildunfälle pro Tag

Als schlagende Lösung des folgenschweren Problems möchte die blauen Reflektoren aber noch niemand bezeichnen. Laut Rechnungen des Gesamtverbandes der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) von 2016 gibt es in Deutschland am Tag bis zu 720 Wildunfälle.

Borsums Ortsbürgermeister Josef Stuke sieht auch die Autofahrer in der Verantwortung. Auf kritischen Strecken sei stets ein Tempolimit von maximal 70 Stundenkilometern gesetzt. Eine Einhaltung dieser Vorgaben in Kombination mit den Reflektoren könne vielen Tieren das Leben retten.