Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wohnungen? Nein, Airbnb-Unterkünfte

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 16.05.2018.

Hildesheim - Wer heute in eine fremde Stadt reist, findet zur Übernachtung nicht nur Hotels und klassische Ferienwohnungen. Eine Möglichkeit sind Wohnungen, die über Internetplattformen wie angeboten werden: Privatpersonen können hier einzelne Zimmer oder ganze Wohnungen und Häuser an Feriengäste vermieten.

Auch in Hildesheim findet man ein großes Angebot an sogenannten Airbnb-Unterkünften: Studenten vermieten ein leerstehendes Zimmer in ihrer WG, Eigentümer vermieten ihre private Wohnung, während sie selbst auf Reisen sind. Immer wieder stößt der Kunde aber auch auf Wohnungen, die offensichtlich ausschließlich als Ferienwohnung genutzt werden.

Wehren gegen Geschäftsmodell

Schon oft geriet die Plattform in die Schlagzeilen, weil sich Städte und Bundesländer gegen dieses Geschäftsmodell wehrten. Schließlich ist gerade in großen Städten wie Hamburg, Berlin und Köln Wohnraum knapp. 2017 brachte die Niedersächsische Landesregierung bereits einen Gesetzesentwurf auf den Weg, der den Kommunen ermöglichen sollte, einzugreifen, wenn Wohnraum als Büro oder Ferienwohnung zweckentfremdet wird. Durch die vorgezogenen Neuwahlen ist das Gesetz allerdings nicht beschlossen worden. Doch auch die neue Regierungskoalition will sich dem Thema annehmen.

In Hildesheim sei diese Form der Zweckentfremdung noch kein Problem, erklärt Herwart Kraaz, Bereichsleiter Stadtteilplanung bei der Stadt Hildesheim. „Diese Art der Vermietung hat hier keine relevanten Ausmaße.“ Auch Volker Spieth, Geschäftsführer des Mietervereins Hildesheim, sieht den Wohnraum in der Stadt nicht durch private Ferienwohnungen bedroht. „Noch ist das Problem zu vernachlässigen“, erklärt er. „Trotzdem ist es gut, wenn die Stadt durch ein neues Gesetz Handlungsmöglichkeiten bekommt.“ Schließlich könne die private Vermietung in Zukunft noch zunehmen.

Eine Vermieterin berichtet

Tatsächlich berichtet eine Vermieterin, die ihren Namen nicht in der Zeitung lesen möchte, von einer großen Nachfrage nach privaten Ferienwohnungen. Sie bietet die Wohnung ihrer Tochter über Airbnb an, während diese im Ausland ist, und bekommt mehr Anfragen, als sie annehmen möchte. „Ich habe sogar den Preis erhöht, damit weniger Buchungen reinkommen“, erklärt sie.

Zusätzlich zum Beruf mache ihr die ständige Vorbereitung der Ferienwohnung einfach zu viel Arbeit. Neben Messebesuchern seien ihre Gäste vor allem Eltern von Studierenden, die ihre Kinder in Hildesheim besuchen. Aber auch vor Semesterbeginn sei die Nachfrage groß, weil viele Studierende noch keine Wohnungen gefunden hätten. „Ich kann mir schon vorstellen, dass man auch in Hildesheim ein Geschäft daraus machen könnte“, glaubt die Frau. Eine mögliche Regulierung durch die Kommunen würde sie darum befürworten. Sie vermietet selbst auch regulär Wohnungen und kennt die große Nachfrage in der Stadt. „Wenn attraktive Wohnungen auf diese Art dauerhaft angeboten würden, fände ich das nicht in Ordnung.“

BWV bietet Gästewohnungen

Doch nicht nur Privatpersonen bieten Wohnungen in Hildesheim als Feriendomizil an. Der Beamtenwohnungsverein Hildesheim (BWV) vermietet seit 2001 einige seiner Wohnungen auch tage- und wochenweise. „Zu dieser Zeit gab es einen Überschuss an Wohnraum“, erklärt Lars Meyer, zuständig für das Marketing des BWV. „Wir haben damals aus der Not eine Tugend gemacht.“ Das ist für Wohnungsbaugenossenschaften nicht ungewöhnlich. Gerade hat ein Zusammenschluss von Genossenschaften einen eigenen Urlaubskatalog herausgebracht.

Inzwischen bietet der BWV 28 Gästewohnungen an. Einige davon sind aus normalen Mietwohnungen entstanden, andere wurden nie dauerhaft vermietet. Elf der Gästewohnungen sind für Langzeit-Gäste vorgesehen. Dort kommen beispielsweise Bosch-Mitarbeiter aus dem Ausland unter, die für einige Monate in Hildesheim arbeiten. Die anderen könnten Mitglieder des BWV besonders günstig für ihre Gäste anmieten, erklärt Christina Heer, die die Gästewohnungen des Vereins verwaltet. „Es übernachten aber auch Messegäste und Wochenendurlauber in unseren Wohnungen.“

7500 Übernachtungen

Etwa 7500 Übernachtungen kann Heer so jährlich verbuchen. Für den BWV ein einträgliches Geschäft, von dem er sich auch angesichts des veränderten Wohnungsmarktes nicht trennen möchte. „Die Gästewohnungen stellen nicht einmal ein Prozent unseres Wohnraums dar“, betont Meyer. „Und für unsere Mitglieder gibt es keine Engpässe.“

Für den Mann vom Beamtenwohnungsverein liegt das Problem auf dem Wohnungsmarkt nicht an mangelndem Wohnraum, sondern am Missverhältnis von Preis und Qualität. „Auf dem privaten Markt entsprechen viele Wohnungen nicht dem heutigen Standard und sind gleichzeitig zu teuer.“

Der Weg der gbg

Die Kreiswohnbaugesellschaft kwg hat Milano Werner zufolge sechs Wohnungen im Programm, die in Sarstedt, Alfeld und Bad Salzdetfurth als „Zuhause auf Zeit“ vermietet werden. Die kwg habe sich aber aus der tagesweisen Vermietung verabschiedet, um nicht mit Hotels und Pensionen in den Wettbewerb zu treten, zudem sei der Aufwand zu hoch. In der Regel mieteten Firmen die Unterkünfte für Mitarbeiter an, für Ingenieure von anderen Standorten oder Monteure, zum Beispiel. Dauer: mindestens 14 Tage, fast immer aber einen Monat und länger.

Die Gemeinnützige Baugesellschaft zu Hildesheim (gbg) ist einen anderen Weg gegangen. Bis vor einigen Jahren hat das Unternehmen ebenfalls noch bis zu zehn Gästewohnungen angeboten. „Angesichts des hohen Bedarfs wollten wir die Wohnungen lieber regulär zur Miete anbieten“, erklärt Wilfried Busse, Leiter der Immobilienverwaltung der gbg.

Für Volker Spieth vom Mieterverein ist das ein sinnvolles Vorgehen. Er würde es begrüßen, wenn auch der BWV sich von einigen Gästewohnungen trennen würde. „Natürlich wäre es nur ein Tropfen auf einen heißen Stein. Aber einige Wohnungen zusätzlich an einkommensschwache Familien zu vermieten, würde schon eine Menge bewirken.“

Das ist Airbnb

Konkurrenz zu Hotels und herkömmlichen Ferienwohnungen, lukrativere Alternative für Vermieter privaten Wohnraums: Das ist Airbnb, die 2008 im Silicon Valley gegründete Plattform für die Vermittlung von „individuellen Unterkünften“, wie es im Web-Auftritt der Firma heißt. Nach eigenen Auskünften listet die Seite inzwischen rund vier Millionen Unterkünfte in 26 000 Städten weltweit, vor allen in Großstädten ist das Angebot höchst beliebt. Auch Hildesheimer Wohnungen werden via Airbnb vermittelt. Der Name Airbnb ist eine Verkürzung des ursprünglichen „Airbed-andbreakfast (Luftmatratze und Frühstück). Airbnb taucht immer wieder in den Medien auf, die Kritik entzündet sich zum einen an der Zweckentfremdung privaten Wohnraumes, zum anderen an betrügerischen Angeboten, mit denen Straftäter ihre Opfer dazu bringen, für faktisch gar nicht vorhandene Unterkünfte Anzahlungen zu leisten. cwo