Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wollte Mann seine Mitpatientin erwürgen?

Veröffentlicht von Christian Wolters am 12.01.2018.

Hildesheim - Im Hildesheimer Ameos-Klinikum soll ein Patient versucht haben, eine andere Patientin umzubringen. Wie Christina Pannek, die Sprecherin der Hildesheimer Staatsanwaltschaft am Freitag auf Anfrage der Redaktion bestätigte, soll es bereits am 6. Januar zu dem Verbrechen gekommen sein. Die Polizei hat aber offenbar erst am folgenden Tag von dem Zwischenfall erfahren.

Am gestrigen Donnerstag ist der tatverdächtige 40-Jährige dem Haftrichter vorgeführt worden. Er sitzt jetzt in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung in Moringen. Laut Pannek wurde der Mann vorläufig begutachtet, es gebe Gründe für die Annahme, dass der Mann bei dem Übergriff schuldunfähig oder zumindest in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen ist. Er saß nicht etwa als Straftäter im Maßregelvollzug, sondern soll in der geschlossenen Suchtstation untergebracht gewesen sein. Mit seinem Angriff sei nicht zu rechnen gewesen, heißt es in der Klinik.

Beim Tatort soll es sich um einen Speisesaal handeln. Dort soll der 40-Jährige aus Bad Pyrmont am Abend des 6. Januar um 18.20 Uhr von hinten an eine Frau herangetreten sein, die am Nachbartisch saß und aß. Für die 30-jährige völlig unvermittelt soll er sie so stark und so lange gewürgt haben, dass sie nur noch röchelte und keine Luft mehr bekam.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Mann seine Mitpatientin tatsächlich umgebracht hätte, wenn nicht andere Patienten und Mitarbeiter aus der Pflege dazwischen gegangen wären und ihn gehindert hätten. Darauf deuten auch die Verletzungen hin, die das Opfer davontrug. Nach Informationen der Redaktion wurde die Frau nach der Attacke in ein anderes Krankenhaus in Hildesheim gebracht, während der 40-jährige fixiert wurde. Was ihn zu dem Angriff geführt hat, ist unklar, er soll lediglich zu Protokoll gegeben haben, dass er in Wut geraten sei, weil die 30-Jährige „nur isst und nichts macht“.

Polizei spät informiert

Die Polizei ist zu diesem Zeitpunkt offenbar noch nicht eingeschaltet worden, Zeugenbefragungen und Spurensicherung am Tatort blieben zunächst aus. Das änderte sich erst am Folgetag, als ein Mitarbeiter der Klinik einen in anderer Angelegenheit ins Klinikum gekommenen Polizisten auf den Zwischenfall aufmerksam machte.

Der Kommentar der Hildesheimer Staatsanwaltschaft dazu fällt eindeutig aus. Christina Pannek:„Die Justizbehörden würden eigentlich erwarten, dass eine Straftat, bei der es sich ja augenscheinlich um ein versuchtes Tötungsdelikt handelt, sofort angezeigt wird.“

Laut Ameos wäre das die Aufgabe der diensthabenden Ärztlichen Leitung gewesen, der sich die Lage allerdings zunächst nicht so dramatisch dargestellt habe. So sei die Patientin noch am selben Tag aus dem Krankenhaus zurück ins Ameos-Klinikum verlegt worden und habe auch keine Anzeige gegen den Angreifer erstatten wollen. Die Ärztliche Leitung hätte die Ermittlungsbehörden allerdings zu einem späteren Zeitpunkt einschalten wollen.

„Wir haben einen ausführlichen Bericht der Klinik erhalten“, sagt dazu Naila Eid vom Landessozialministerium. Daraus könne man ersehen, dass der Klinik an einer Aufarbeitung gelegen sei. Das sei auch der Ansatz des Ministeriums: „Schauen, ob es so gelaufen ist, wie man sich das vorstellt.“ Was bei dieser Betrachtung herauskommt, stehe noch nicht fest.