Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wunsch und Wirklichkeit liegen beim VfV 06 weit auseinander

Veröffentlicht von Andreas Kreth am 10.09.2018.

Hildesheim - Durch die 0:4-Packung in Northeim ist der VfV Borussia 06 Hildesheim am Wochenende in die Abstiegszone der Fußball-Oberliga Niedersachsen gerutscht. Dabei hatte der Vorsitzende Achim Balkhoff doch den Wiederaufstieg in die Regionalliga als Ziel ausgegeben. Trainer Thomas Siegel war da verhaltener, sprach immer von „Platz eins bis fünf“. Nun sagt er: „Ich werde doch nach fünf Spielen nicht von meinen ganzen Zielen abrücken. Platz vier bis sechs ist nach wie vor realistisch und machbar. Und da gehören wir auch hin.“

Dabei hat sein Team in dieser Saison noch nicht eine wirklich überzeugende Partie abgeliefert. Teilweise spielte es ganz ordentlich, und sicherlich kam auch mal Pech hinzu. Doch insbesondere bei den Northeimern, die aktuell verdient an der Tabellenspitze stehen, spielte seine Mannschaft ganz und gar nicht wie ein Vertreter des oberen Mittelfeldes. „Das stimmt leider, und das tut mir vor allem für die 100 mitgereisten Fans leid“, sagt Siegel. „Es war vor allem in der zweiten Halbzeit ein blutleerer Auftritt, so dürfen wir uns nicht präsentieren.“

Der Matchplan?

Freilich war sein Matchplan auch nicht zu erkennen, um dem Hauptproblem der ganzen letzten Jahre beizukommen: Die Hildesheimer schießen einfach zu wenig Tore. In Northeim versuchten sie es praktisch nur mit langen Bällen auf die einzige Spitze Jane Zlatkov. Mal abgesehen von zwei gescheiterten Konterversuchen von Wlad Masljakov, der als Außenverteidiger in der Fünferkette stand.

Wie war denn nun Siegels Matchplan? „Aus einer gesicherten Defensive die gefährlichen Angriffe der richtig guten Northeimer verteidigen, tiefer stehen und auf Konter über außen zu lauern“, sagt er. „Doch dieser Plan war mit dem frühen und blöden 1:0 durch einen Standard nach 24 Minuten dahin. Wir haben gepennt, als der Schütze von hinten nach vorn einlief. Danach haben wir nie mehr ins Spiel gefunden, konnten den Hebel nicht umlegen“, gibt der Trainer zu. Das ist auch eine Sache von Motivation und Einstellung.

Am Tag danach holte er die Truppe zum Training ins Ebert-Stadion, machte sich dabei auch mehr als eine Viertelstunde lang ordentlich Luft. „Ich war schon laut, es war eher Monolog als Dialog, aber motivierend gemeint“, so Siegel. Seiner Meinung nach hätten seine Jungs nämlich noch nicht das abgerufen, was sie eigentlich könnten. „Langsam wird es Zeit, dass sie mal aus sich rauskommen“, sagt der Trainer.

Gibt es noch Verstärkung?

Er sei nach wie vor vom Kader überzeugt. „Wir wollten eine junge und dynamische Mannschaft, der Schnitt ist nach dem Aus von Christoph Lange wohl bei 21 Jahren. Und nehmen wir etwa Adem Avci: Der kommt mit der Empfehlung von 60 Toren in zwei Bezirksliga-Jahren.“ Eigentlich bräuchte die Mannschaft ein, zwei Jahre Zeit, so Siegel. „Doch die Zeit haben wir nicht.“

Am Montagabend wollten sich Siegel, Balkhoff und Präsident Michael Salge treffen. Gibt es vielleicht doch noch Verstärkung? „Uns könnte nur ein fertiger Spieler helfen, möglichst mit Regionalligaerfahrung. Aber ich habe keine Ahnung, ob das finanziell machbar ist“, so Siegel.

Wunsch und Wirklichkeit – beim VfV 06 liegen sie momentan weit auseinander.