Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Wurde Frau in Gaststätte in Gronau vergewaltigt?

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 09.10.2019.

Hildesheim/Gronau - War es eine Vergewaltigung oder nicht? Diese Frage muss am Donnerstag das Hildesheimer Landgericht in seinem Urteil entscheiden. Was sich genau an jenem Morgen im März 2018 in einer Gronauer Gastwirtschaft zugetragen hat, wird wohl nicht endgültig geklärt werden können. Während die Hauptbelastungszeugin des angeklagten 46-jährigen Gastwirts unter Ausschluss der Öffentlichkeit ausgesagt hatte, wurden ihre Aussagen bei der Polizei am Mittwoch öffentlich dargelegt.

Der Wirt soll die Kneipenbesucherin nach reichlichem Alkoholkonsum früh morgens hilflos in der Damentoiletten gefunden haben. Laut Anklage habe er die Situation ausgenutzt, sie schließlich zum Oralsex bewegt, was sie aus Angst vor möglichen Konsequenzen ohne Widerstand vollzogen habe.

Weitere Zeugin meldet sich

Für die Prozessbeteiligten gab es am Mittwoch zudem eine Überraschung: Aufgrund der Berichterstattung in der Hildesheimer Allgemeinen Zeitung hatte sich eine weitere Zeugin kurzfristig beim Gericht gemeldet. Dort sagte die 24-Jährige nun aus, dass der Gastwirt sie vor vier oder fünf Jahren einmal unsittlich zwischen den Beinen berührt habe. Ob die Aussage für die Urteilsfindung am Ende von Belang ist, blieb offen. Verteidiger Harald Dreßler beklagte am Rande der Verhandlung, dass es nicht sehr fair sei, eine Zeugin zu laden, ohne dass er vom Gericht dazu einen Hinweis erhalte.

Zum eigentlichen Tatgeschehen brachten die ermittelnden Polizeibeamten nur wenig Licht ins Dunkel: Laut der Aussage der zuständigen Sachbearbeiterin hatte sich die damals 18-Jährige nur „schwammig“, wie sie selbst gesagt haben soll, an die Ereignisse erinnert. So habe sie auch nur das „Gefühl“ gehabt, dass jemand „in sie eingedrungen“ sei. Konkrete Angaben habe sie nicht machen können.

Aussage von Rechtsmedizinerin

Die Polizistin sagte, dass sie nicht den Eindruck hatte, dass die Zeugin sie angelogen habe. Sie hätte sich bei der Vernehmung jedoch merkwürdig verhalten. So hätte sie auf die Eingangsfrage nach dem Befinden geantwortet: „Alles tutti. Alles fresh.“ Später habe sie emotionslos gewirkt, während sie in einer Zigarettenpause geweint hätte.

Fest steht indes, dass sich die Nebenklägerin ungefähr zur angegebenen Uhrzeit leichte Verletzungen im Genitalbereich zugezogen hatte. Das bestätigte die Rechtsmedizinerin der Medizinischen Hochschule Hannover. „Die Verletzungen deuten auf Geschlechtsverkehr hin“, sagte sie, schränkte aber ein: „Die Verletzungen können sich auch durch eine andere Manipulation ergeben haben.“ Hinweise darauf, dass Gewalt im Spiel war, habe sie bei ihrer Untersuchung nicht feststellen können.

Spuren von vier Männern

DNA-Untersuchungen gaben letztlich auch nicht wirklich Aufschluss. Nur am Bündchen der Unterwäsche fanden sich Spuren, die auf den Angeklagten hindeuten. An gleicher Stelle gab es aber noch DNA-Spuren von drei anderen Männern. Der Gastwirt hatte auch gar nicht bestritten, die Unterwäsche der 18-Jährigen berührt zu haben. Er hatte sie nach eigener Aussage mit heruntergelassenen Hosen in der Damentoilette gefunden und ihr beim Anziehen geholfen.

Die Plädoyers finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt, weil die Hauptbelastungszeugin ihre Aussagen in einer nicht-öffentlichen Sitzung gemacht hatte. Erst die Urteilsverkündung und die Begründung sind wieder öffentlich.