Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Zaun auf Spielplatz: Eine Sperrung, die Rätsel aufgibt

Veröffentlicht von Jan Fuhrhop am 15.05.2019.

Hildesheim - Und plötzlich steht da ein Bauzaun. Es ist ein Tag Ende Dezember 2018, als die in Betonfüßen steckenden Gitter Ramon Herbst auf dem Spielplatz an der Von-Ketteler-Straße zum ersten Mal auffallen. Sie sind entlang dem Fußweg an der Grenze zum 2017 angelegten BMW-Parcours aufgestellt. Herbst, der für die CDU im Ortsrat Himmelsthür sitzt, wundert sich, denkt aber: Das wird schon einen Grund haben – auch wenn sich ihm der nicht so richtig erschließt.

Die Wochen gehen ins Land, nichts passiert

Was Herbst zunächst vor allem stört: Mehrfach stößt der Wind die Zäune auf den Fußweg, der die Von-Ketteler-Straße mit dem Beelter Weg verbindet. Er spricht das in der Ortsratssitzung am 12. Februar an. Keiner der anderen Mitglieder weiß, weshalb die Zäune überhaupt dort stehen. Auch Ortsbürgermeister Christian Stock (CDU) ist ahnungslos. Die Wochen gehen ins Land, der Zaun bleibt, nichts passiert.

Bis Stock, der sich in der Vergangenheit bereits mehrfach über schlechte beziehungsweise komplett fehlende Informationen aus dem Hildesheimer Rathaus aufgeregt hat, dort mal nachhakt. Ob die Stadt die Zäune aufstellen lassen hat und aus welchem Grund, möchte der Ortsbürgermeister wissen. Auf seine E-Mail-Anfrage bekommt er von einer Mitarbeiterin aus dem Büro von Oberbürgermeister Ingo Meyer eine knappe Antwort, die ihn nicht schlauer macht. „Der BMX-Parcours wurde aufgrund der vielen Steine vom Spielplatzkontrolleur gesperrt.“

„Was soll ich mit dieser Information anfangen?“

„Was soll ich mit dieser Information anfangen?“, fragt Stock ärgerlich.

Auf Nachfrage der HAZ gibt es aus dem Rathaus schließlich erstmals eine etwas ausführlichere Erklärung der Aktion. Der städtische Spielplatzkontrolleur habe die BMX-Strecke gesperrt, weil der Regen die Oberfläche ausgewaschen habe und deswegen Steine zutage getreten seien. „Die Verkehrssicherheit war nicht mehr gegeben“ gewesen, erläutert Stadtsprecher Helge Miethe. Ortsräte würden generell nicht über teilweise Sperrungen von Spielplätzen informiert, schreibt Miethe weiter – und räumt schließlich ein: „Da sich die Sperrung in diesem Fall aber über so einen langen Zeitraum erstreckt, wäre eine Information des Ortsrats angebracht gewesen. Das ist leider unterblieben.“ In gut zwei Wochen sollen die Ausbesserungsarbeiten tatsächlich abgeschlossen sein, kündigt der Stadtsprecher an.

Kommentar: Schlechtes Signal

Von Jan Fuhrhop

Nein, der Oberbürgermeister ist nicht persönlich dafür verantwortlich, über die Sperrung eines Spielplatzes zu informieren. Er ist aber Ingo Meyers Job, seinen Mitarbeitern eine Linie vorzugeben. Wenn es aus dem Rathaus nun heißt, man informiere Ortsräte generell nicht, wenn Spielplätze teilweise gesperrt würden, ist das kein gutes Signal in die Stadtteile. Es ist kein Zeichen von Wertschätzung, Ortsbürgermeister und Ortsrat dumm dastehen zu lassen. Und noch eins: Ist die Sicherheit von Kindern tatsächlich gefährdet, muss der BMX-Parcours so gesperrt werden, dass niemand ihn benutzen kann. Das ist nicht geschehen: Der Zaun in der Von-Ketteler-Straße lässt die Nordseite der Bahn offen, auch ein Hinweisschild fehlt. Das ist mindestens nachlässig, im schlimmsten Fall fahrlässig.