Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Zeitgenössische Kunst aus Südafrika

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 13.06.2018.

Hildesheim - „Südafrika ist eines der Länder mit der höchsten Wiederholungsrate an Reisen“, sagt Barbara Lenhard. Die 50-Jährige kann das nur allzu gut nachvollziehen, Natur und Menschen sind in ihren Augen einmalig. So einmalig, dass sie vor neun Jahren mit ihrem Lebensgefährten Florian Gast Deutschland verlassen und sich in Kapstadt niedergelassen hat, um dort eine kleine Reiseagentur zu gründen. Neben den Menschen und der Natur fand sie die Kunst: „Die Szene in Südafrika crackt gerade auf, es ist unglaublich, was alles passiert.“ Und da sie eine Frau ist, „die sich voll reinschmeißt, wenn sie was macht“ (Barbara Lenhard über Barbara Lenhard), bringt sie nun die südamerikanische Kunst nach Deutschland. Am Donnerstag, 14. Juni, wird die Ausstellung „The Travelling Art Gallery“ im Rasselmania eröffnet.

Auf die Kunstszene ist die gebürtige Bad Segebergerin vor fünf Jahren gestoßen. Damals organisierte sie mit ihrem Partner zum ersten Mal die Benefizveranstaltung „Chefs who Share“, bei der internationale Spitzenköche zugunsten von Jugendprojekten am Herd standen. Zum Programm gehörte auch eine Kunstauktion auf großer Bühne. „Da habe ich viele Künstler kennengelernt“, so Barbara Lenhard.

„Lass doch die Kunst reisen“

Sie stellte fest, dass sie ein Händchen dafür hatte, Kunst zu promoten und zu verkaufen, und öffnete schließlich eine kleine Galerie in Kapstadt. Eines Tages seien zwei Künstler zu ihr gekommen, erzählt sie, und hätten gesagt: „Barbara, wir können in Südafrika nicht überleben.“ In Europa hat Lenhard ein großes Interesse an der Kunst von der Südspitze des schwarzen Kontinents ausgemacht. „Nicht jeder reist nach Südafrika“, überlegte sie, „also lass doch die Kunst reisen.“

Nun sind Barbara Lenhard und Florian Gast für fünfeinhalb Wochen in Deutschland, 80 großformatige Bilder von zwölf Künstlern im Gepäck. Hildesheim ist die erste Station, danach wird die Ausstellung weiterziehen und in Hamburg sowie in Ludwigsburg gezeigt werden. Nicht in klassischen Galerien, sondern an speziellen Orten, um ein möglichst breites Publikum anzuziehen – nicht nur ausgesprochene Kunstfans. „Kunst muss für alle da sein“, findet Lenhard.

„Keine Masken oder Voodoo“

Zu sehen ist zeitgenössische Kunst – „keine Masken oder Voodoo-Zauber“, wie Barbara Lenhard betont. Die Künstler seien durchweg in ihrem Land etabliert, egal, ob sie schwarz, weiß oder „coloured“ sind, sagt die Promoterin. „Kunst hat ganz viele Farben – aber keine Hautfarbe“, ist ihre Überzeugung.

Stilistisch decken die Bilder ein weites Spektrum ab. Um nur einige Beispiele zu nennen:Corné Ecksteen beispielsweise arbeitet fotorealistisch, integriert aber Schichtungen und Brechungen. Seton Baileys Spezialität ist das „Dotting“, eine Technik, die nur mit Punkten statt Strichen auskommt. Corné Theron malt in Pixeln; ihre Ölbilder sehen aus, als kämen sie aus dem Computer. Michaela Rinaldi bevorzugt Acryl, abstrakt und mit starken Farben, David Kuijers betreibt Pop Art, Andrew Ntshabele malt in Öl auf Shweshwe, einem traditionellen südamerikanischen Stoff, und auf Zeitungspapier. In Edward Selematselas Bildern spielen stets Kinder die Hauptrolle – vor mehr als 20 Jahren hat er bereits eine Kunstschule für Waisenkinder in Leben gerufen.

„The Travelling Art Gallery“ ist bis zum 24. Juni zu sehen im Rasselmania am Bischofskamp 18 zu sehen. Täglich von 11 bis 18 Uhr, am letzten Tag von 11 bis 15 Uhr. Der Eintritt ist frei.