Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Zu viel Salz im Grundwasser: Kaliberg früher abdecken?

Veröffentlicht von HAZ-Redaktion am 27.03.2019.

In Baden-Württemberg soll K+S in einer ähnlichen Situation wie in Giesen einen Millionenbetrag in die Abdichtung stecken / Prüfungen laufen noch

Von Tarek Abu Ajamieh

Giesen/Buggingen. Noch ist unklar, wie die Behörden auf die Grundwasser-Versalzung am Giesener Kaliberg reagieren. In einem ähnlichen Fall aus Baden-Württemberg muss der Düngemittel-Konzern K+S voraussichtlich eine alte Kalihalde neu abdecken und dafür 3,4 Millionen Euro ausgeben, wie die Badische Zeitung berichtet. Doch ob das Modell auf Giesen übertragbar ist, ist fraglich.

Am Rand von Buggingen im Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald gab es seit Jahren Diskussionen um eine rund 40 Meter hohe Abraumhalde, die beim Kaliabbau entstanden war. Der Hügel, im Volksmund ebenso wie die Giesener Halde teilweise „Kalimandscharo“ genannt, wurde zwar mit Erde abgedeckt, an den Flanken wachsen sogar Bäume. Doch dicht ist die Deckschicht nicht. Bei Regen wird bis heute unter anderem Chlorid ausgespült, viele Messstellen rund um den Berg zeigen Werte, die deutlich über dem liegen, was nach der Trinkwasser-Verordnung zulässig ist. Das sorgte auf Initiative des Umweltschutz-Verbandes BUND immer wieder auch für Proteste aus der Bevölkerung.

Doch nun soll eine Lösung her, bis Ende des Jahres wollen der Kreis und K+S laut Badischer Zeitung eine Vereinbarung schließen. Die sieht vor, die Halde komplett abzudecken. Im Zuge dessen müsste offenbar auch die Spitze abgetragen werden, um eine Art Plateau und flachere Abhänge zu schaffen.

Ähnliches ist auch für den Giesener Kaliberg geplant – bislang allerdings erst für die Zeit nach dem Ende des Betriebs im Fall eines Bergwerks-Neustarts. Bis dahin dürften allerdings noch mindestens 50 Jahre vergehen – was unter anderem in der Hildesheimer Kreispolitik viel Kritik ausgelöst hat.

Doch die Abdeckung vorziehen, um der Grundwasser-Versalzung entgegenzuwirken, scheint nur auf den ersten Blick eine naheliegende Option zu sein. Das zuständige Landesamt für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG) verweist auf die laufenden Prüfungen zu der Gefährdungsabschätzung, die K+S selbst für die Umgebung des Giesener Kalibergs erstellt hat. „Von den Ergebnissen hängt es ab, ob und welche Sofort-Maßnahmen zum Grundwasserschutz erforderlich sind“, sagt LBEG-Pressesprecher Björn Völlmar auf HAZ-Anfrage. K+S-Sprecher Ulrich Göbel verweist ebenfalls auf die Gefahrenabschätzung, die schließlich am Anfang möglicher weiterer Schritte wie etwa einem Monitoring-Programm stehe. „Was sich daraus entwickeln könnte, ist jetzt noch gar nicht abzusehen“, sagt Göbel. Das in Buggingen geplante Vorgehen habe eine zehnjährige Vorgeschichte, sei nichts, was kurzfristig entschieden wurde.

Das LBEG weist zudem darauf hin, dass K+S bereits reagiere. Der Kasseler Konzern verlegt derzeit Gräben näher an den Fuß des Kalibergs. Denn salzhaltiges Wasser von der Halde gelange vor allem im Zwischenraum zwischen Haldenfuß und Gräben ins Grundwasser – es rinnt sozusagen die Abhänge hinunter und versickert dann im Boden, erläutert LBEG-Sprecher Völlmar. Die Baumaßnahmen sollen also zumindest schon mal die Menge des im Boden versickernden salzhaltigen Wassers reduzieren.

Völlmar verweist jedoch auch darauf, dass sich der „Stand der Technik“ ebenso wie die Nachfrage nach Salz ändern könnten. Eine bislang noch nicht angedachte Entsorgung oder Verwertung des Haldenabraums sei also zumindest langfristig auch nicht ausgeschlossen.