Hildesheimer Allgemeine Zeitung

„Zu wuchtig“: Kritik an Bauprojekt bei Insel-Café

Veröffentlicht von Rainer Breda am 13.04.2019.

Hildesheim - Gegen das Bauvorhaben der kwg in der Mühlenstraße gibt es Widerstand aus der Nachbarschaft. Berthold Jämmrich, Eigentümer des Insel-Cafés, findet den geplanten Gebäudekomplex „zu hoch und zu wuchtig“. Außerdem werde das Vorhaben dem Denkmalschutz für die benachbarte Magdalenen-Kirche und deren früherem Kloster nicht gerecht. Die kwg müsse das Projekt abspecken, fordert Jämmrich. Kwg-Chef Matthias Kaufmann weist das zurück: „Wir orientieren uns an der Umgebung und haben das Projekt extra an sie angepasst.“ Die Stadtverwaltung prüft Jämmrichs Einwand und drei weitere Eingaben gegen die Pläne, das letzte Wort hat am 13. Mai die Politik im Stadtentwicklungsausschuss.

Jämmrich hat das Insel-Café knapp 30 Jahre betrieben, 2018 haben er und seine Frau Martina das Geschäft an zwei Nachfolger übergeben. Das Café gehört dem 71-Jährigen aber noch – und so verfolgt er aufmerksam, was die kwg auf der anderen Seite der Innerste vorhat.

Die Pläne der kwg

Dort liegt vis-a-vis seines Lokals das Grundstück Mühlenstraße 23. Darauf steht das frühere Pfarrhaus der Magdalenen-Gemeinde. Die Immobilie ist verwaist, die kwg hat sie von der Kirche erworben. Die Baugesellschaft will das Pfarrhaus abreißen und auf der 1500-Quadratmeter-Fläche einen Komplex mit zwölf altengerechten Wohnungen errichten.

Sie verteilen sich auf zwei dreigeschossige, miteinander verbundene Gebäude, von denen eines genau gegenüber dem Insel-Café, neben der Magdalenen_Kirche und dem früheren Kloster, entstehen soll. Genau das ist für Jämmrich der Stein des Anstoßes: Das zweite Gebäude passe nicht in die Umgebung, die kwg solle darauf verzichten. Andernfalls erwäge er eine Klage gegen die Stadt, die das Vorhaben durch eine Änderung des Bebauungsplans ermöglichen will.

Zu viel Lärm?

Er könne Jämmrichs Position grundsätzlich nachvollziehen, sagt kwg-Chef Kaufmann: „Als Nachbar will man, dass alles so bleibt, wie es ist.“ Doch das Grundstück sei vor dem Zweiten Weltkrieg viel dichter bebaut gewesen als heute. In der Tat befand sich dort ein großes Fachwerkhaus, wie ein Foto aus den 1930er Jahren zeigt. Ein Verzicht auf das Gebäude komme für die kwg aus wirtschaftlichen Gründen nicht in Frage, „da gibt es keinen Spielraum“.

Auf eine andere Kritik aus der Nachbarschaft will Kaufmann dagegen eingehen. So befürchtet Friedbert Ludwig, der mit seiner Lebensgefährtin Antje Claus in der Mühlenstraße lebt, durch das kwg-Vorhaben einen „Tunnel-Effekt“ am Innerste-Wehr – und damit deutlich mehr Lärm. „Wir lassen das von einem Experten prüfen und werden reagieren, wenn das nötig ist“, berichtet Kaufmann. Der muss vermutlich weder vom Rathaus noch von der Politik in der Sache allzu viel befürchten: Die Verwaltung begleitet das Vorhaben eng, im Stadtentwicklungsausschuss gab es im Februar viel Lob dafür. Was Jämmrich allerdings wohl kaum davon abhalten dürfte, im Zweifel zu klagen.