Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Zum Seufzen schön: Musikalische Love Story am TfN

Veröffentlicht von Martina Prante am 09.09.2018.

Hildesheim - „Ich ging mein ganzes Leben nur Dir entgegen!“ Einen Mann, der solche Worte findet, den muss Francesca einfach lieben. Wenn er dann auch noch so gut aussieht, sich so charmant verhält und vom Abenteuergeruch umweht ist wie Robert, dann ist der Weg frei für die ganz große Liebe. Ein Leben lang. Wenn da nicht die Familie wäre.

Schon Robert James Wallers Roman (1992) bewegte Millionen von Lesern. Clint Eastwood rührte drei Jahre später mit sich selbst und Meryl Streep in der Rolle der Francesca auf der Kinoleinwand zu Tränen. 2013 entdeckten Jason Robert Brown und Marsha Norman die Geschichte für das Musical.

„Die Brücken am Fluss“ ist eine intelligent konstruierte Liebes- und Lebensgeschichte, der Musicaldirektor Craig Simmons jetzt am Theater für Niedersachsen (TfN) Gestalt verleiht. Mit hinreißenden Darstellern entwirft er in einem großartigen Bühnenbild und von zauberhafter Musik begleitet zweieinhalb Stunden ein farbiges Gefühlsgemälde. Prasselnder, lang anhaltender Applaus bei der Premiere Samstagabend im Stadttheater.

Schöne Liebes-Geschichte

Diese Love Story hat zwar nicht die überwältigende Kraft von „Frühlings Erwachen“ oder den Tiefgang von „Fast normal“. Aber sie erzählt eine schöne Geschichte von Liebe, vom Wert von Familie und Gemeinschaft und von Leben und Tod. Und geht mit diesem Spektrum weit über Clint Eastwoods Filmversion hinaus.

Dass der Abend nicht kitschig wird, liegt an Esther Bätschmanns abstrakten Bühnenteilen, die sich – von den Darstellern oft choreografisch bewegt – zu immer neuen Orten im Niemandsland der amerikanischen Provinz formieren. Dazu zaubert Licht atmosphärische Stimmungen auf den weiten Himmel.

In diesem Umfeld lässt Craig Simmons geschickt Vergangenheit und Gegenwart aufeinander treffen, in großen Gefühlen oder lustigen Begegnungen schwelgen. Turbulente Szenen wechseln mit innigen Momenten ab. Simmons sorgt dafür, dass immer alles in Bewegung und im Fluss bleibt.

Überwältigende Musik

Das Herausragende an diesem Abend aber ist die Musik von Jason Robert Brown, der abwechslungsreich die ganze Palette zwischen Rock, Pop und Klassik bedient. Andreas Unsicker und seine acht Musiker sorgen mit Gitarren, Cello und Klavier für immer neue Sounds, die Stimmungen, Gefühle und Situationen treffend beschreiben. Von der akustischen Gitarre bis zum sinfonischen Klang: Es wird nie eintönig. 17 Songs bilden die Basis und liefern die emotionalen Hauptelemente der Story um Francesca.

Sie hat ihre Heimat Italien verlassen hat, um sich mit dem GI Bud in den Weiten Iowas ein neues Zuhause aufzubauen und eine Familie zu gründen. Ihr Mann ist liebevoll, die Kinder Teenager. Francesca ist nicht unglücklich. Aber voller Sehnsucht.

Marysol Ximénez-Carillo als Francesca beeindruckt mit ihrer voluminösen, glasklaren, geschmeidige Stimme (der Mikroport ist überfordert). Ihr Spiel ist elegant und zurückhaltend, manchmal fast ein bisschen unterkühlt. Im Gegensatz zu Gerald Michel, der seinen Robert weniger als einsamen Wolf, sondern als super-sympathischen und offenen Weltenbummler anlegt. Seine Stimmfarbe ist warm und natürlich, ab und an kämpft er noch mit der Intonation. Dritter im Bunde ist Francescas Ehemann Bud, den Alexander Prosek warmherzig als liebevollen, aber auch überforderten Vater gibt.

Paar-Humor

Abwechslung und Humor in die intime Liebes- und Lebens-Geschichte bringen zwei Paare: Sandra Pangl und Johannes Osenberg als Teenager Michael und Carolyn, die sich äußerst realistisch und herrlich körperlich streiten. Und Katharina Schutza und Jens Krause als alt gedientes und wunderbar aufeinander eingespieltes Ehepaar sorgen für weitere Lacher.

Ein Abend, der ein bisschen träumen lässt. Und doch auf den Boden der Tatschen zurückholt.

Die nächsten Vorstellungen des Musicals sind in diesem Monat am 17. und 29. September. Karten zwischen 12 und 36 Euro im TicketShop der HAZ in der Rathausstraße, im Stadttheater und unter 16 93 16 93.