Hildesheimer Allgemeine Zeitung

Vom Profi-Catcher zum TV-Detektiv

Veröffentlicht von am 08.02.2014.

Sarstedt (tw) - Der Sarstedter Ulf Hermann war Deutschlands einziger Profi-Catcher im Schwergewicht. Jetzt ist er für den Sender RTL II einer der "Privatdetektive im Einsatz" - und ermittelt in dieser Rolle auch in Los Angeles.

Grimmiger Blick, tätowierte Muskelberge, Totenkopf-Ring und 1,98 Meter furchteinflößende Körperpräsenz: Privatdetektiv Ulf Hermann braucht keine Knarre, wenn er in den Straßen von Los Angeles kriminelle Elemente jagt – zusammen mit seinem Chef Carsten Stahl und einem Team von Detektiven. Seit einigen Wochen ist Hermann dabei, wenn sie mit viel „Action“ für eine Serie des Senders RTL II auch mal in den USA ermitteln: „Privatdetektive im Einsatz“.
In Sarstedt kennen viele den „gnadenlosen Kämpfer“, wie der Sender den Serien-Neuling Hermann vorstellt, ganz anders: Hier ist er der Kumpel von nebenan, als Sohn von Hausmeister-Original „Paule“ Nadrowski aufgewachsen. Er war Bademeister im Schwimmbad – und schaffte es Ende der 1980er Jahre, sich in einer Welt durchzusetzen, die mindestens so schillernd und spannend ist wie die Straßen von Los Angeles. Ulf Hermann Nadrowski, wie er bürgerlich heißt, war jahrelang der einzige deutsche Profi-Catcher in der Schwergewichtsklasse. Sein Kampfgewicht: 127 Kilo. „Herman the German“ war der Künstlername des Sarstedter Kraftpaketes, das sich damals durch die Catch-Arenen auf allen Kontinenten prügelte, gegen Bühnen-Feinde wie Cannonball Grizzly oder Fit Finlay, den Unbesiegbaren.
Der Sarstedter tourte mit dem Catcher-Zirkus durch die Lande, stand in der Bremer Stadthalle vor fast 20 Jahren mal 38 Abende hintereinander im Ring. Die Welt der Wrestler ist in Gute und Böse aufgeteilt. „Herman the German“ gehörte zu den Guten, war in Deutschland der Lokalmatador und wurde frenetisch bejubelt, wenn er wieder mal einen Fiesling vermöbelte. Als solcher war er zu Beginn seiner Catcher-Karriere auch mal gestartet. Mit dem Künstlernamen „Ranger“ mimte er das Monster, fletschte die Zähne und schaute finster drein – doch dieses Image nahm ihm das Publikum nicht ab. So legte er sich ein neues Image zu und wechselte ins Lager der Guten.
Das vertritt er nun auch in der Fernsehserie – und zelebriert dabei weiter den grimmigen Blick. Wild machten den Catcher früher nicht seine Gegner, wild machten ihn vor allem Gerüchte, Catchen sei doch nur Show. Da sei nichts gespielt, beteuerte er. Die TV-Serie, in der er nun regelmäßig im Einsatz ist, balanciert auf ähnliche Weise wie die Welt der Wrestler zwischen Fiktion und Realität: Die Fälle sind zwar durch ein Drehbuch vorgegeben, aber die Kameraführung erweckt den Eindruck, die Zuschauer seien live bei der Aufklärung der Fälle dabei. Pseudo-Doku oder „Scripted Reality“ nennt sich dieses Genre – auf Deutsch etwa: vorgeschriebene Wirklichkeit.
Nach seiner Zeit als Profi-Catcher betrieb Ulf Hermann ein Fitnessstudio, war als Bodyguard tätig und sammelte erste Schauspiel-Erfahrungen – zum Beispiel in einem Video der Band Rammstein oder in der SAT1-Serie „Richterin Barbara Salesch“. Mit den „Privatdetektiven im Einsatz“ hat er sich nun seine erste Hauptrolle gesichert. Das Team ist von Montag bis Freitag jeweils um 16.05 Uhr auf RTL II zu sehen. Im Einsatz sind insgesamt 20 Schauspieler, die in jeder Folge in anderer Zusammensetzung ermitteln. Hermann ist also nicht in jeder Folge mit von der Partie. Die Serie läuft seit dem Jahr 2011, gestern wurde Folge Nummer 261 ausgestrahlt, Montag geht es mit Folge 262 weiter. Gedreht wird meistens in Köln und Umgebung, einige „Special“-Folgen spielten jetzt aber in Los Angeles. So kommt Hermann wie schon als Catcher wieder weit herum – und immer wieder gern nach Hause. Als die Wrestler für ein Programmheft zu dem Bremer Turnier 1996 ihren Lieblingsort nennen sollten, entschieden sich seine Kollegen für Hawaii, San Francisco oder Inseln in der Südsee. Und was stand damals im Fragebogen von „Herman the German“? Richtig, Sarstedt.